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Wirtschaft Bahn spart sich den Kundenkontakt
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08:46 20.08.2011
Der Fahrkartenverkauf am Automaten ist nicht jedermanns Sache. Viele Bahnkunden wollen sich lieber am Schalter beraten lassen. Quelle: dpa
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Berlin

Dies geht aus einer Personalplanung der DB Vertrieb GmbH hervor, die dieser Zeitung vorliegt. Ein Bahnsprecher bestätigte die Streichpläne und nannte als Grund stark rückläufige Ticketverkäufe am Schalter.

Wie aus den Unterlagen von DB Vertrieb hervorgeht, arbeiten derzeit 2348 Beschäftigte in den bundesweit noch rund 400 Reisezentren der Bahnhöfe. Bis 2016 soll die Zahl demnach auf 1658 zurückgehen. Schon bis zum nächsten Jahr sollen mehr als 160 Servicekräfte am Schalter wegfallen. Rund 500 Verkäufer sollen bis 2014 eingespart werden.

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Damit setzt der Staatskonzern die umstrittene Ausdünnung der Reisezentren fort, die schon seit Jahren auf Protest bei Fahrgastverbänden, Verbraucherverbänden und Gewerkschaften stößt. Im vergangenen Jahr hatte Bahnchef Rüdiger Grube die Kostensenker des Unternehmens noch gestoppt und den Abbau von 500 Arbeitsplätzen im Vertrieb vorerst verhindert. Nun aber steht eine neue Sparrunde bevor, obwohl der Staatskonzern hohe Gewinne einfährt.

Die Pläne stoßen beim Fahrgastverband Pro Bahn auf scharfe Kritik. „Damit sperrt die Bahn ihre Kunden aus, das ist glatte Diskriminierung“, sagte Verbandssprecher Matthias Oomen. Bahnchef Grube müsse diese Pläne sofort stoppen und „endlich den Kunden in den Mittelpunkt stellen“.

Schon heute stünden in vielen Bahnhöfen nur noch Automaten, die zahlreiche Menschen nicht bedienen könnten, kritisierte Oomen. In Großstädten betrage die Wartezeit an Schaltern schon jetzt bis zu einer Stunde. Auf dem Land sei man häufig ebenso lange unterwegs, bis man überhaupt noch ein Reisezentrum mit Beratung erreiche. Für viele Menschen und bei komplizierteren Bahnreisen ins Ausland oder mit Umsteigen sei eine gute persönliche Beratung aber unverzichtbar.

Die Bahn drängt Kunden zum Fahrkartenkauf an Automaten oder im Internet

Seit Jahren drängt die Deutsche Bahn ihre Kunden zum Fahrkartenkauf an Automaten oder im Internet. Das ist für den Konzern profitabler, für Bahnfahrer aber nicht immer ein Vorteil. Die Technik schreckt manche Kunden ab, die mit Automaten und Computern nicht gut umgehen können.

Wer ein Bahnticket kaufen will, hat trotzdem häufig keine andere Wahl mehr. Mehr als 600 der einst 1000 Reisezentren in den Bahnhöfen hat der größte Transportkonzern Europas bereits geschlossen und dafür viele Tausend Automaten aufgestellt. Auch in Reisebüros gibt es immer weniger persönliche Beratung. Seit die Bahn Umsatzprovisionen gekürzt hat, lohnt sich ein beratungsintensiver Verkauf für die Agenturen mit DB-Lizenz kaum noch.

Als Vorbild für die Bahnmanager beim Ticketvertrieb gilt die Flugbranche. Kritiker halten diesen Kurs für ein Massenverkehrsmittel wie die Bahn allerdings für verfehlt. Die Bahn transportiert an einem Tag so viele Kunden wie die Lufthansa in einem Jahr und soll den Bürgern zumindest eine Grundversorgung mit Mobilität garantieren. Dazu gehört für Experten zwingend ein flächendeckender Fahrkartenverkauf am Schalter mit persönlicher Beratung.

Die Gewerkschaften machten schon im vorigen Jahr mit Protestaktionen gegen die damals geplante Streichung von weiteren 500 Kundenberatern mobil. Die Belastungsgrenze des Personals sei erreicht, schimpften Transnet und GDBA, die sich inzwischen zur EVG Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft zusammengeschlossen haben. Die Klientel der Bahn bestehe nicht nur „aus surfenden virtuellen Kunden, sondern Menschen aus Fleisch und Blut, die am Schalter stehen“.

Das Unternehmen verwies auf rückläufige Ticketverkäufe am Schalter. Der Umsatzanteil der Reisezentren am Fahrscheinverkauf sei seit 2005 von 46 auf 22 Prozent gesunken. Bis 2016 werde ein weiterer Rückgang auf 17 Prozent erwartet. Deshalb müsse man „die Personalstärke an diese Entwicklung anpassen“. Es werde aber keine Kündigungen geben, betonte ein Sprecher. 350 Berater sollen neue Stellen im Konzern erhalten. Die restlichen Arbeitsplätze würden über „natürliche Fluktuation“ abgebaut. Mit den Arbeitnehmern führe man dazu Gespräche. Alle 400 Reisezentren blieben erhalten. Es werde dort sogar „noch mehr Service geben“. So könnten Kunden vom Jahresende an am Schalter Onlinetickets umtauschen.

Thomas Wüpper