Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wirtschaft Bahlsen leidet unter Preiserhöhungen
Mehr Welt Wirtschaft Bahlsen leidet unter Preiserhöhungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:49 22.01.2010
Von Lars Ruzic
Umsatzrückgang: Der Marktanteil von Bahlsen ist auf unter 20 Prozent gefallen.
Umsatzrückgang: Der Marktanteil von Bahlsen ist auf unter 20 Prozent gefallen. Quelle: dpa
Anzeige

Die Erlöse der Bahlsen-Gruppe sanken 2009 um 7 Prozent auf 507 Millionen Euro, beim Marktanteil mussten die Hannoveraner 2,4 Prozentpunkte abgeben und fielen unter die 20-Prozent-Marke. Auch 2010 werde „kein Jahr in dem man sich zurücklehnen kann“, sagte Firmenchef Werner Michael Bahlsen. Der Konzern will mit neuen Produkten und einem aufgestockten Werbebudget gegensteuern.

Bahlsen hatte just Ende 2008, als die Finanzkrise ihren Höhepunkt erlebte, im Handel Preiserhöhungen für den Großteil der Produkte durchgesetzt. Der Konzern sieht die Verteuerung als Teil der Premiumstrategie an, die auch höherwertige Inhaltsstoffe und Verpackungen bis hin zu einer Luxusreihe „Bahlsen Exquisit“ umfasst. Mehrere Ketten – darunter Rossmann und Schlecker – warfen die Produkte daraufhin aus den Regalen. Dort, wo die Händler mitspielten, hielten sich die Verbraucher zurück. „Wir haben damit gerechnet, dass wir zunächst unter der Maßnahme leiden werden“, sagt Bahlsen. Inzwischen seien die meisten Händler wieder im Boot, und auch die Konsumenten hätten die Preise akzeptiert. Zum Jahresende habe das Geschäft wieder angezogen.

Angesichts der harten Widerstände, auf die Bahlsen mit seiner Preispolitik gestoßen ist, kann er die aktuellen Durchsuchungen des Kartellamts beim Handel und einigen Markenartiklern nicht verstehen. Die Behörde hat Konzerne wie Metro, Rossmann und Mars im Verdacht, Preisuntergrenzen abgesprochen zu haben. Bahlsen selbst ist nicht betroffen. „Wir schulen unsere Vertriebsleute massiv, damit sie wissen, was sie dürfen und was nicht“, sagt der Firmeninhaber. Gleichwohl sei es ein legitimes Interesse des Herstellers, seine Preisvorstellungen durchzusetzen. „Es ist schließlich unsere Ware.“

Die Rückgänge bei Bahlsen konnten Konkurrenten wie Griesson-de Beukelaer und Lambertz für sich nutzen und leicht Marktanteile gewinnen. Teils sprangen sie dort in die Bresche, wo die Hannoveraner ausgelistet wurden. Der zeit läuft sich auch Nahrungsmittelgigant Kraft warm, um auf den deutschen Keksmarkt vorzudringen – mit der Marke Milka. „Wir nehmen das ernst, sitzen aber auch nicht zitternd hinter dem Ofen“, sagt Bahlsen. Der Konzern sei mit seinen beiden Marken Leibniz und Bahlsen und mehreren erfolgreichen Produktneuheiten gut gerüstet. „Noch vor ein paar Jahren wären wir angreifbarer gewesen als wir es heute sind.“

Im Februar will das Familienunternehmen mit einer weiteren Innovation namens „Crispettis“ die Marke Bahlsen stärken. An den dünnen Keksen mit Erdnuss-Stückchen und Schokolade, die in Barsinghausen produziert werden, wurde mehr als zwei Jahre entwickelt. Auch die Werbetrommel will Bahlsen kräftiger drehen. Das Budget wurde um 3 auf 44 Millionen Euro aufgestockt.