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Wirtschaft BMW geht beim Elektroauto riskanten Weg
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19:15 05.05.2010
Quelle: dpa
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BMW sei der einzige Hersteller, der ein Großserienauto mit karbonfaserverstärktem Material auf den Markt bringe, kündigt Konzernchef Norbert Reithofer an. Und BMW verzichtet im Elektrobereich weitgehend auf Kooperationen. „Beides unterscheidet BMW von anderen“, sagt Willi Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft.

Nur die Batterie lässt sich BMW von einer Gemeinschaftsfirma von Bosch und Samsung zuliefern. Elektromotoren wollen die Münchener dagegen selbst entwickeln, um das Know-how im Haus zu halten. „Wir glauben an Differenzierung“, betont Technikvorstand Klaus Draeger. Diez ist allerdings skeptisch: Vieles deute auf branchenweit einheitliche Elektromotoren hin – mit Kostenvorteilen, aber wenig Möglichkeiten zur Differenzierung.

Die „strategisch extrem entscheidende“ Frage sei, ob BMW mit eigenen Innovationen beim Kunden durchdringt und speziell beim teuren Werkstoff Karbonfaser die Kosten im Griff hat, sagt Unicredit-Autoexperte Georg Stürzer. Die Chancen, beim Motor – bisher Kernstück der BMW-Identität – auch im Elektrozeitalter unverwechselbar zu bleiben, schätzt auch er gering ein.

Der Wille, anders zu sein und sich somit Vorteile zu verschaffen, birgt Risiken. Geht es schief, bleibt BMW am Ende auf hohen Entwicklungskosten sitzen. Das gilt auch für Karbonfasern, die BMW wie kein anderer Hersteller im neuen Elektroauto verbauen will. Das Material ist stabiler als Stahl und um die Hälfte leichter als Aluminium, aber erheblich teurer. BMW will zusammen mit der Wiesbadener SGL Carbon Produktionsprozesse und Kosten in den Griff bekommen. Gelingt es, wäre es für die hinter dem Konzern stehende Quandt-Familie ein doppelter Gewinn. Denn sie hält nicht nur knapp die Hälfte an BMW, sondern auch halb so viel an SGL. Beide Konzerne bauen in den USA ein Karbonfaserwerk, das – vorerst exklusiv – BMW beliefern soll.

Vor allem die Kostenfrage hat es in sich. Eine Autokarosserie aus dem Material, das in der Formel 1 und beim Flugzeugbau verwendet wird, würde heute horrende 400 Euro pro Kilogramm kosten, hat VW-Chef Martin Winterkorn jüngst gewarnt. VW setzt auf Aluminium, womit vor allem Tochter Audi einige Erfahrung hat.

BMW will es noch leichter, weil das Gewicht eines Elektroautos für dessen Reichweite entscheidend ist, ein Schlüsselproblem der neuen Technik. Mindestens 20 Prozent weniger wiege ein Auto mit Karbonfasern, sagen Formel-1-Techniker. Bei einer Lithium-Ionen-Batterie für Elektroautos mit rund 250 Kilogramm Gewicht ist das ein wichtiges Argument. Man habe Fertigungsprozess und Kosten im Griff, versichert BMW-Finanzvorstand Friedrich Eichiner.

Gefertigt wird das Megacity Vehicle dann in Leipzig. Es soll als eigene Untermarke von BMW und als ein von Grund auf neu konstruiertes Auto vom Band rollen, betont Reithofer: „Dieses Auto wird die Automobilindustrie, wie wir sie heute kennen, in erheblichem Maß verändern.“

Thomas Magenheim

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