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Wirtschaft Autonomes Fahrzeug: Durch Monheim rollen Busse ohne Fahrer
Mehr Welt Wirtschaft Autonomes Fahrzeug: Durch Monheim rollen Busse ohne Fahrer
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18:39 26.03.2019
Ein autonom fahrender Bus von "easy mile" fährt über den Busbahnhof. Quelle: dpa
Monheim

Manchmal sieht die Zukunft verdammt langsam aus. Erst dauert es am Dienstag in Monheim am Rhein minutenlang, bis der selbstfahrende Elektrobus endlich los ruckelt. Und dann kriecht das Gefährt mit nur elf Stundenkilometern über das Betriebsgelände einer Nahverkehrsfirma. „Die Geschwindigkeit ist noch nicht so bahnbrechend, dass man gleich Angst haben müsste“, sagt augenzwinkernd NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU), einer der Teilnehmer der Testfahrt. Und dennoch könnte es ein großer Schritt nach vorn sein: Monheim will im Herbst eine autonome Busflotte im Linienbetrieb starten - und ist damit ein Vorreiter.

An diesem Dienstag wurde das Projekt vorgestellt. Neben Wüst war auch Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) angereist, beide Minister fanden lobende Worte für die Innovationskraft der 40 000-Einwohner-Stadt. 2,1 Millionen Euro kostet die Investition in eine neue Buslinie, 90 Prozent davon zahlt das Land. Gekauft werden fünf Elektrobusse der französischen Firma „Easy Mile“. Sie sind vier Meter lang, drei Meter hoch und zwei Meter breit - und sehen etwas aus wie Gondeln. Ein Steuer gibt es nicht mehr, eine Begleitperson - ein Operator - ist aber noch mit an Bord. Er hat ein gelbes Kästchen dabei, mit dem er notfalls manuell steuern kann.

Eine Weltneuheit ist das zwar nicht, was am Dienstag in Monheim zu sehen war - erste autonome Fahrzeuge sind längst auch anderswo unterwegs, in Drolshagen (Kreis Olpe) gab es unlängst eine Testfahrt und im bayerischen Bad Birnbach ist ein autonomer E-Bus schon seit 2017 für die Deutsche Bahn im Einsatz, ein zweiter steht als Reserve parat.

Dennoch ist Monheim bei dem Thema vorn mit dabei und bekommt dies auch von den Ministern und vom französischen Bushersteller bestätigt. So berichtet Benedikt Sperling von Easy Mile von Verkäufen seiner Firma in 23 Länder, darunter Japan, Norwegen und Frankreich. Das Vorhaben von Monheim hält aber auch er für „etwas Besonderes“. Denn während andere nur auf Tests setzen oder bloß einen autonomen Bus regelmäßig losschicken, peilt Monheim den Flottenbetrieb an.

Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP, Mitte), Wissenschaftsminister (FDP, M) und Verkehrsminister Hendrik Wüst, Verkehrsminister (CDU, rechts), stehen neben Monheims Bürgermeister Daniel Zimmermann in einem autonom fahrenden Bus. Quelle: dpa

Testen muss aber auch Monheim noch, Probefahrten sollen bis zum Sommer laufen. Doch danach will die Stadt eine Linienkonzession für ihre Flotte beantragen - das gilt als das Einzigartige an dem Vorhaben. Die autonomen Busse werden zum normalen Bestandteil im Fahrplan und die Stadt verpflichtet sich zu den Flotten-Touren.

Mag das Monheimer Projekt ein Schritt nach vorn sein beim autonomen Fahren, die Ausmaße allerdings sind begrenzt. Zum einen ist das eine Kapazitätsfrage: Nur elf Passagiere dürfen in den Kleinbus, der künftig in der rheinischen Stadt mit einer Ausnahmegenehmigung fährt und mit immerhin Tempo 20 unterwegs sein soll. Es geht also nicht um die großen Passagierströme, sondern nur um eine Ergänzung im Netz.

Zubringer für Hauptbuslinien

Die neue Linie sei „vor allem als Zubringer zu den klassischen Hauptbuslinien gedacht“, sagt Monheims Bürgermeister Daniel Zimmermann. Die kleinen, wendigen Fahrzeuge können besser durch enge Altstadtstraßen und das historische Stadttor manövrieren. Wird die Linie ein Erfolg, könnte es weitere Kleingefährt-Anbindungen von anderen Wohnvierteln zum Busbahnhof geben, sagt er.

Der Chef der Bahnen Monheim, Detlef Hövermann, sieht die autonomen Busse perspektivisch auch als gute Maßnahme gegen den grassierenden Fahrermangel in der Branche. Noch ist zwar einer seiner 120 Mitarbeiter mit an Bord, so ist es gesetzlich vorgeschrieben. Aber in einigen Jahren könnte sich die Gesetzeslage ja ändern und dann könnten solche autonomen Busse dazu beitragen, dass sich die Personalsituation entspanne, sagt Hövermann. Verkehrsminister Wüst schwärmt davon, dass sich die Qualität des Nahverkehrs insgesamt in NRW verbessern könnte, wenn im Land auf lange Sicht mehr selbstfahrende Busse eingesetzt würden.

Von RND/dpa