Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wirtschaft Autofahrer zahlen bei altem Super drauf
Mehr Welt Wirtschaft Autofahrer zahlen bei altem Super drauf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:50 08.02.2011
Quelle: dpa
Anzeige

An den 14.000 Tankstellen in Deutschland läuft die Umrüstung der Zapfsäulen auf Hochtouren. Normalbenzin verschwindet, an seine Stelle tritt das Super E10, die neue Spritsorte, die zu 90 Prozent aus herkömmlichen Superbenzin und zu 10 Prozent aus Bioethanol besteht. Bis Ende des ersten Quartals will die Mineralölbranche die Einführung abgeschlossen haben.

Super E10 soll nach dem Willen der Bundesregierung das bisherige Super mit 5 Prozent Bioethanol-Anteil (E5) ersetzen. Mit dem Biokraftstoffquotengesetz verpflichtet sie die Mineralölindustrie, ihrem Sprit aus Rohöl einen Bioanteil beizumischen. Dieser ist am 1. Januar von 5 auf 10 Prozent gestiegen. Mit dem höheren Anteil von Bioethanol, das aus nachwachsenden Rohstoffen wie Zuckerrüben oder Getreide gewonnen wird, sollen der CO2-Ausstoß der Autos weiter gesenkt und die Abhängigkeit vom Öl verringert werden, um das Klima zu schonen.

Was einfach klingt, löst bei den Autofahrern Verwirrung aus. An Zapfsäulen, die schon umgerüstet sind, ist nach Beobachtung des ADAC ein Liter des neuen Supersprits E10 deutlich billiger als das alte Super (E5). Die Preisdifferenz beträgt 5 bis 6 Cent je Liter, wie ein Sprecher des Autoklubs am Montag der HAZ sagte – und das, obwohl die Produktionskosten für Super E10 erheblich höher seien als für aus Öl hergestelltes Benzin.

Der ADAC verweist darauf, dass es eine Bestandsschutzregelung gebe. Ölfirmen wie Shell, BP (Aral) oder Esso, die Super E10 anbieten, müssen danach weiterhin als vergleichbare Spritsorte Super E5 im Angebot haben – für Autofahrer, deren Fahrzeuge den neuen Sprit nicht vertragen. Das seien über 3 Millionen Autos, so der ADAC-Sprecher. Möglich sei, dass das Ethanol Aluminiumbauteile angreife und dadurch bereits durch einmaliges Tanken des Super E10 Schäden am Motor entstünden.

Dass die Ölkonzerne Super E10 billiger anbieten würden als das alte Super, ist keine Überraschung, wie Rainer Wiek vom EnergieInformationsdienst (EID) in Hamburg erklärte. Die Benzinbranche müsse die gesetzlichen Vorgaben umsetzen, also übers Jahr gesehen die vorgeschriebene Biokraftstoffquote von 6,25 Prozent erfüllen. Sonst drohen Strafzahlungen. Die Quotenerfüllung schafften die Ölkonzerne nur, wenn sie das alte Super E5 teurer anböten, damit die Autofahrer eben nur noch Super E10 in den Tank füllten, so der EID-Experte. Für den ADAC hat die „künstliche Verteuerung“ jedoch ein „Ausmaß“, das an „Abzocke“ grenze. Der Autoklub rät daher Autofahrern, sich schnellstens zu informieren, etwa beim Hersteller, ob ihr Fahrzeug E10-tauglich sei, sagte der ADAC-Sprecher. Nur so könnten sie der „klaren Benachteiligung“ entgehen.

Derzeit kostet Superbenzin (E5) nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) im bundesweiten Schnitt 1,45 Euro je Liter. Der Preis für Diesel liegt bei 1,33 Euro je Liter. Damit ist die Differenz trotz geringerer Steuer von 47,04 Cent für Diesel gegenüber 65,45 Cent je Liter Super auf 12 Cent geschmolzen. Das ist laut MWV im Winter wegen der hohen Nachfrage nach dem verwandten Produkt Heizöl und damit steigender Preise nicht ungewöhnlich.

Carola Böse-Fischer