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Wirtschaft Ausstieg beim ostdeutschen Gasversorger?
Mehr Welt Wirtschaft Ausstieg beim ostdeutschen Gasversorger?
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22:11 07.04.2015
Von Jens Heitmann
Ein Techniker inspiziert die Filteranlage einer Verdichterstation der Verbundnetz Gas AG. Nach dem Rückzug von Gazprom bekommt das Unternehmen neue Anteilseigner.
Ein Techniker inspiziert die Filteranlage einer Verdichterstation der Verbundnetz Gas AG. Nach dem Rückzug von Gazprom bekommt das Unternehmen neue Anteilseigner.  Quelle: Matthias Hiekel/dpa
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Hannover

Der niedersächsische Energiekonzern hat lange vergeblich versucht, bei der VNG den Ton anzugeben - nun ist das Interesse deutlich gesunken. In der nächsten Woche will sich der EWE-Aufsichtsrat mit dem Thema befassen. Noch gebe es zwei Optionen, hieß es: „Halten und gestalten“ - oder Ausstieg. Offiziell hält man sich bedeckt. „Wir nehmen zu Marktgerüchten keine Stellung“, sagte ein EWE-Sprecher. Wie aus dem Konzern verlautet, ist der Verkauf die wahrscheinlichere Variante.

Die Oldenburger waren 2002 bei der VNG eingestiegen, als Konkurrent Eon seine Anteile an dem Leipziger Konzern verkaufen musste. Mit knapp 48 Prozent waren die Niedersachsen zwar der größte Aktionär - sie konnten sich aber gegen die übrigen Anteilseigner nie durchsetzen. Gazprom, deren deutscher Partner Wintershall und ein Bündnis ostdeutscher Stadtwerke blockierten gemeinsam mit der VNG-Führung alle Versuche, in Sachsen „durchzuregieren“. Animositäten zwischen den beiden Vorstandschefs Werner Brinker und Klaus-Ewald Holst verschlechterten das Klima nochmals.

Vor einem Jahr schien sich die gegenseitige Blockade aufzulösen: Wintershall - bis dahin zweitgrößter VNG-Aktionär - verkaufte seinen Anteil von knapp 16 Prozent im März 2014 an EWE. Die BASF-Tochter verabschiedete sich aus dem Handelsgeschäft, um sich auf die Gasförderung zu konzentrieren.

Am Dienstag nun verkündete auch Gazprom seinen Abschied aus Leipzig. Vor dem Ausstieg von Wintershall verfügten beide zusammen über eine Sperrminorität - nach dem Rückzug des Partners fehlten nun die Einflussmöglichkeiten, hieß es von russischer Seite. Ohnehin befindet sich der Konzern auf dem Rückzug aus Europa, seit sich die Beziehungen mit dem Westen im Zuge der Ukraine-Krise verschlechtert haben. Schwache Geschäftszahlen tun ein Übriges: Zuletzt musste Gazprom einen Gewinneinbruch von 70 Prozent hinnehmen.

Sollten die Oldenburger auch noch das Aktienpaket der Russen von knapp 11 Prozent übernehmen, läge man nur noch knapp unter der Dreiviertelmehrheit. Gazprom will seine VNG-Anteile dem Vernehmen nach für 200 Millionen Euro verkaufen. Für das Paket von Wintershall hat EWE bereits 320 Millionen Euro bezahlt. Ob sich diese Investitionen am Ende rechnen, sei ungewiss, hieß es in Oldenburg. Den Wert der aktuellen Beteiligung taxiert man bei EWE auf 1,3 Milliarden Euro. „Endlich haben wir mal eine gute Verhandlungsposition - das wollen wir ausnutzen“, sagte ein Unternehmensinsider. Das Geld aus einem Verkauf könnte der Konzern gut gebrauchen, denn die Margen stehen unter Druck.

Bisher scheint es jedoch nur einen ernsthaften Interessenten für die EWE-Anteile an VNG zu geben: Die Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft. Als deren Geldgeber steht dem Vernehmen nach die australische Bank Macquarie bereit.

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