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Wirtschaft Aussteller sind mit Verlauf der Domotex zufrieden
Mehr Welt Wirtschaft Aussteller sind mit Verlauf der Domotex zufrieden
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08:05 19.01.2010
Sieht sich als eher traditioneller Teppichkäufer: Christian Wullf (links) beim Rundgang auf der Domotex. Quelle: Rainer Surrey
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Bei der Familie von Christian Wulff zieht ein Löwe ein. Er ziert einen persischen Teppich, rot-weiß und handgeknüpft. „In den Teppich mit dem Tier darauf habe ich mich verliebt“, schwärmt der Ministerpräsident bei seinem Rundgang auf der Teppichmesse Domotex – und Ali Ipektchi freut es. „Ein mächtiger Mann muss einen Löwen haben“, sagt der Hamburger Teppichhändler. In Persien schmücke sich der Fürst damit, als Zeichen von Stärke.

Ipektchis Vorfahren stammen aus Aserbeidschan, sie handelten erst mit Seide und später mit Teppichen. Inzwischen sitzt das Familienunternehmen in Norddeutschland, persische Traditionen aber hält der Händler trotzdem hoch: „Ich habe sogar zwei Tage lang bei Nomaden gelebt und im Zelt geschlafen, um das kennenzulernen.“ Wie jeder gute Verkäufer sprüht er vor Begeisterung – und versteht sich darauf, Anekdoten zu erzählen.

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Die meisten seiner Teppiche importiert Ipektchi aus dem Iran. Woher sie genau kommen, erkennt er oft am Muster, denn jedes Dorf hat eigene Traditionen beim Teppichknüpfen: „Da gibt es feine Unterschiede – ungefähr so, wie sich im Schwarzwald die Trachten von Dorf zu Dorf unterscheiden.“

Die Knüpferinnen arbeiteten oft wochenlang an einem Teppich. Auf einen Quadratmeter kommen 100 000 bis 500 000 Knoten, pro Tag schafft eine erfahrene Knüpferin etwa 8000. Ein aufwendiger Job – aber dafür sei die Branche krisensicher, versichert Ipektchi. Zwar werde zur Zeit vor allem günstige Ware gekauft, seinem Umsatz schade das aber nicht: „Die Tendenz ist stabil bis steigend“, sagt er. „Erstaunlicherweise liefen gerade die ersten drei Monate nach der Finanzkrise gut.“

In der Krise sind die Menschen vielleicht bereit, auf Auto oder Urlaub zu verzichten. Am eigenen Zuhause wird aber anscheinend nicht gespart. Denn dorthin ziehen sich die Menschen in schlechten Zeiten zurück – und die Einrichtungsbranche profitiert davon. Das ist auch auf der Domotex zu spüren. „Die Stimmung unter den Ausstellern ist sehr gut“, sagt ein Messesprecher. Über Besucherzahlen wird noch nichts verraten, man sei aber „auf einem guten Kurs“. Die Vorgaben vom Vorjahr könnten wieder erreicht werden, vielleicht sogar überschritten. 2009 kamen etwa 35 000 Besucher zur Teppichmesse.

Allerdings sind nicht alle Aussteller optimistisch. Das Importgeschäft aus Afghanistan etwa läuft schlecht. Nach einer Statistik der European Carpet-Importers Association (EUCA) wurden im ersten Halbjahr 2008 noch 12 000 Quadratmeter Teppich aus Afghanistan in die EU geliefert, ein Jahr später waren es nur noch 4500. Schuld sei die Wirtschaftskrise, sagt Asad Ullah Khall Mohammadi. Er ist einer von rund einem Dutzend afghanischen Ausstellern auf der Domotex. Seine Teppiche lässt er in Kunduz knüpfen – für einen Tageslohn von etwa 2,50 Dollar. Industriell gefertigte Teppiche sind allerdings wesentlich billiger: „Bei den handgeknüpften Teppichen hatten wir in den letzten acht Jahren einen Absatzrückgang von 60 Prozent“, sagt EUCA-Geschäftsführer Peter Fliegner. „Trotzdem sind wir sind für dieses Jahr relativ positiv eingestellt.“ Die Domotex sei sehr gut angelaufen und gut besucht – zudem werde viel geordert. „Das war im letzten Jahr nicht so, da fing die Krise gerade an und alle wollten erst einmal abwarten“, sagt Fliegner.

Volker Heinrich, Teppichhändler aus Hamburg und Spezialist für Orientteppiche, ist skeptisch, was die Zukunft betrifft. „Der Markt in Europa verlangt beim Design Flexibilität. Die Möbelhersteller geben bei uns die Linie bei Stil und Farbe vor und danach müssen sich alle anderen richten“, sagt er. „In Afghanistan gibt es vielleicht 20 Teppichmuster, die sich nicht ändern. Das ist zu wenig.“

Denn die Trends beim Bodenbelag sind fast so schnelllebig wie bei der Kleidung. Zur Zeit verkauften sich Beerentöne und Pflaumentöne gut, sagt Ekkehart Golze aus Hameln. Lila und rot dominieren an seinem Stand und fehlen auch bei anderen Händlern nicht, auch Türkis ist häufig zu sehen. „Seit Jahren der Trend schlechthin“ seien flauschige Teppiche mit besonders langen Fasern – sogenannte Shaggys, sagt Golze. „Mit einem bunten Teppich sieht ein Zimmer gleich ganz anders aus, und es ist nicht so aufwendig wie neu zu tapezieren.“

Ein neuer Teppich alle zwei Jahre – für Niedersachsens Ministerpräsidenten ist das nichts. „Ich bin eher ein Mensch, der einen Teppich zehn Jahre behält“, sagt Wulff. „Da bin ich traditionell konservativ“ – also eher der Typ für den persischen Löwen.

Von Susann Reichert und Joachim Göres