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Wirtschaft Aufsichtsratspitze verlangt Abberufung von EWE-Chef
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17:40 07.02.2017
Am Dienstag hat die Aufsichtsratsspitze die Abberufung des EWE-Chefs Matthias Brückmann empfohlen. Quelle: dpa
Oldenburg

Die Aufsichtsratsspitze des Oldenburger Energieanbieters EWE verlangt die Abberufung des Vorstandsvorsitzenden Matthias Brückmann. Das bestätigte EWE-Sprecher Christian Blömer am Dienstag. Hintergrund ist eine Spende von 253.000 Euro, die der EWE-Vorstandsvorsitzende im vergangenen Jahr eigenmächtig an eine Stiftung des Ex-Boxweltmeisters Wladimir Klitschko nach Kiew überweisen ließ.

Klitschko sollte Oldenburg besuchen

Eine Zahlung in dieser Höhe hätte vom Finanz- und Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates genehmigt werden müssen. Über den Beschluss des Präsidiums hatte zuerst die „Nordwest-Zeitung“ (Oldenburg) berichtet.

Brückmann hatte als Gegenleistung für die Spende nach Medienberichten einen Besuch des Ex-Champions in Oldenburg erwartet. Die Klitschko Management Group betonte aber, an die Spende seien keinerlei Bedingungen geknüpft gewesen. Der EWE-Chef und Klitschko gelten als gute Bekannte.

Die Aufsichtsratsspitze hat nun eine Abberufung des Vorstandsvorsitzenden mit Wirkung zur nächsten Aufsichtsratssitzung am 22. Februar empfohlen. „Herr Brückmann wird sein Amt bis zur Sitzung des Aufsichtsrats der Gesellschaft vorerst ruhen lassen“, hieß es in einer Mitteilung des Energieversorgers.

EWE-Chef spricht von „Fehler“

Brückmann sieht die Spende inzwischen selbst als Fehler. Am Freitag teilte er mit, die 253 000 Euro privat zu übernehmen. „Ich will nicht, dass das Unternehmen unter der Diskussion oder meinem persönlichen Fehler leiden muss.“

Der Aufsichtsratsspitze war das nicht genug. „Unser Ziel und Auftrag ist es, in dieser Situation weiteren Schaden vom Unternehmen abzuwenden sowie Ruhe und Stabilität wiederherzustellen“, erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Stephan-Andreas Kaulvers die Forderung nach einem Aus für den EWE-Chef.

Brückmann kam als Erneuerer

Der Verstoß gegen interne Regeln ist umso brisanter, weil Brückmann bei seinem Antritt als Vorstandsvorsitzender im Jahr 2015 als Erneuerer angetreten war. Spenden dürften nicht nach dem Gutdünken von Einzelpersonen vergeben werden, hatte er im Frühjahr 2016 der „Nordwest-Zeitung“ gesagt. „Jeder Cent muss der Satzung entsprechen.“

Um die genauen Hintergründe der umstrittenen Spende und andere Vorwürfe gegen Brückmann zu klären, hatte der Aufsichtsrat eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beauftragt. Ein erstes Gutachten lag den acht Mitgliedern des Aufsichtsratspräsidiums seit kurzem vor, wie Präsidiumsmitglied Heiner Schönecke der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Von RND/dpa