Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wirtschaft Athen stellt Antrag für Hilfspaket
Mehr Welt Wirtschaft Athen stellt Antrag für Hilfspaket
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:13 23.04.2010
Griechenland Schuldenkrise
Quelle: dpa (Archiv)
Anzeige

Die griechische Regierung greift zum finanziellen Rettungsring: Athen wird die angebotene Hilfe von Internationalem Währungsfonds und EU beantragen. „Ich habe die entsprechende Anweisung an das Finanzministerium gegeben“, sagte der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou am Freitag in einer Fernsehansprache an das griechische Volk.

Am Vortag war bekannt geworden, dass die Finanzlage Griechenlands noch prekärer ist als bisher bekannt. Im vergangenen Jahr belief sich das Haushaltsdefizit auf 13,6 Prozent der Wirtschaftsleistung. Der Schuldenberg wuchs auf 273 Milliarden Euro - das entsprach 115 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und lag weit über dem von der EU erlaubten Gesamtschuldenstand von 60 Prozent.

Die Euro-Länder stellten Kredite von bis zu 30 Milliarden Euro in Aussicht. Die EU bestätigte den Antrag Athens. Währungskommissar Olli Rehn sagte: „Das läuft jetzt alles automatisch ab.“

Es geht bei dem kombinierten EU-IWF Hilfspaket um insgesamt 45 Milliarden Euro. Bis 19. Mai müssen rund elf Milliarden Euro aufgetan werden, um einen Teil der Kredite zu bedienen. In den öffentlichen Kassen seien nur zwei Milliarden Euro. Medien sahen immer mehr die dunklen Wolken eines Bankrotts heraufziehen.

Papandreou sprach von der kleinen Mittelmeerinsel Megisti (Kastelorizo) aus. Dabei war seine Rede sehr emotional. Die Griechen erwarte eine „neue Odyssee“, sagte er. „Wir kennen aber den Weg nach Ithaka“, fügte Papandreou hinzu. Zur Erklärung meinte Papandreou, dass die Hoffnung, die internationalen Märkte würden positiv auf das griechische Sparprogramm und die Hilfeplan der EU reagieren, habe sich nicht erfüllt. Griechenland laufe Gefahr, dass wegen der Spekulanten alle Sparanstrengungen zunichte gemacht werden. Aus diesem Grund sei Athen gezwungen, jetzt schon zu handeln.

Die Euro-Länder wollen Athen mit bis zu 30 Milliarden Euro im ersten Jahr unter die Arme greifen - Deutschland würde davon bis zu 8,4 Milliarden Euro übernehmen. Auf den IWF könnten zusätzlich bis zu 15 Milliarden Euro zukommen. In Athen verhandeln Experten des IWF, der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Europäischen Kommission über die Modalitäten zur Hilfeleistung. Nach der Erklärung Papandreous stieg die griechische Börse um vier Prozent. Ziel der Regierung in Athen bleibt es, in diesem Jahr das Staatsdefizit um vier Prozent zu drücken.

Die Bundesregierung sieht sich bei einem Antrag Griechenlands grundsätzlich handlungsbereit. Der Sprecher des Finanzministeriums, Michael Offer, sagte in Berlin allerdings, der Antrag müsse zuerst von der Europäischen Zentralbank (EZB) und IWF als berechtigt anerkannt werden. Zudem sei ein fertiges IWF-Programm vorzulegen.

Der Sprecher wies darauf hin, dass die schwarz-gelbe Koalition schnell reagieren könne, um die Hilfe in eine Gesetzesvorlage zu gießen. Allerdings bestehe noch kein akuter Finanzierungsbedarf, da die Finanzierung bis Mai stehe.

dpa

Mehr zum Thema

Die Schuldenkrise Griechenlands ist schwerer als bisher bekannt. Im vergangenen Jahr belief sich das griechische Haushaltsdefizit auf 13,6 Prozent der Wirtschaftsleistung - das war deutlich mehr als die bislang gemeldeten 12,7 Prozent, teilte das Europäische Statistikamt Eurostat am Donnerstag in Luxemburg mit.

22.04.2010
Wirtschaft Nach Schuldenkrise in Griechenland - Euro-„Rettungsfonds“ auf gutem Weg

Ein neuer Rettungsfonds für klamme Euro-Staaten rückt näher. „Wir haben uns geeinigt, dass es notwendig ist, einen ständigen Krisen-Mechanismus zu schaffen“, sagte der Vorsitzende der Euro-Finanzminister, Jean-Claude Juncker, am Freitag nach Beratungen in Madrid.

16.04.2010

Notfall-Kredite Deutschlands für Griechenland zur Abwehr einer Staatspleite sollen nach dem Willen von Finanzminister Wolfgang Schäuble nicht ohne Zustimmung des Bundestages durchgedrückt werden können.

14.04.2010