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Wirtschaft Arcandor schickt 15 Tochtergesellschaften in Insolvenz
Mehr Welt Wirtschaft Arcandor schickt 15 Tochtergesellschaften in Insolvenz
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21:52 17.06.2009
Dunkle Wolken über Arcandor: Beim insolventen Handels- und Touristikkonzern müssen weitere 6700 Beschäftigte um ihre Jobs fürchten. Quelle: Clemens Bilan/ddp

Insgesamt rund 50.000 Mitarbeiter müssen nun um ihren Arbeitsplatz bangen. Zudem scheint beim Arcandor-Großaktionär Sal. Oppenheim die Skepsis über die Zukunftschancen des Unternehmens zu wachsen. Die Privatbank verkaufte ihren Anteil an Arcandor, die Familie Oppenheim hält aber weiterhin knapp 25 Prozent der Aktien.

Die Insolvenzanträge für die 15 Tochtergesellschaften seien wirtschaftlich geboten und strategisch sinnvoll, erklärte Arcandor. Betroffen sind vor allem Gesellschaften, die Dienstleistungen oder andere Leistungen nahezu ausschließlich für die bereits insolventen Kernunternehmen Karstadt, Primondo und Quelle erbringen. Das Insolvenzgeld für die Mitarbeiter in den Monaten Juni, Juli und August soll dem Unternehmen zufolge vorfinanziert werden.

Insolvenz beim Amtsgericht Essen wurde unter anderem angemeldet für die Corporate Service Group, die den weltweiten Einkauf koordiniert, die Primondo Operations und die Primondo Management Service. Betroffen sind ferner die Foto Quelle GmbH, die Profectis GmbH, zuständig für technischen Kundendienst, sowie die Europapier in Belgien. Der Geschäftsbetrieb der operativen Gesellschaften werde in vollem Umfang aufrechterhalten, erklärte der Konzern. Von dem Arcandor-Zusammen
bruch unberührt bleiben die Touristiksparte Thomas Cook, der Einkaufssender HSE24 und der Spezialversand.

Die Privatbank Sal. Oppenheim verkaufte ihren direkten Arcandor-Anteil von 3,7 Prozent. Die Familie Oppenheim ist über eine Holding aber weiter im Besitz von knapp 25 Prozent der Aktien. Ob die Familie die restlichen Anteile behalten und sich an einer möglichen Rekapitalisierung Arcandors beteiligen werde, hänge nun von der Bestandsaufnahme des Insolvenzverwalters ab. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, sagte ein Banksprecher.

Die im vergangenen September eingefädelte Beteiligung bewertet die Bank laut „Handelsblatt“ inzwischen als Fehler. Damals habe man gedacht, dass sich der Einstieg bei einem durchschnittlichen Aktienkurs von 2,12 Euro als eine gute Investition erweisen würde, heißt es demnach im Umfeld des Instituts. Die Arcandor-Aktie notierte am Mittwochnachmittag bei weniger als 70 Cent.

Ganz allein steht Arcandor dennoch nicht da: Die zweite Großaktionärin, Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz, hatte sich am Wochenende klar zu ihrem Arcandor-Engagement bekannt.

Laut „Süddeutscher Zeitung“ hält es Sal. Oppenheim nur noch theoretisch für möglich, dass Arcandor insgesamt erhalten bleibt. Auch die von der Metro angestoßene Bildung einer Deutschen Warenhaus AG aus den Karstadt- und Kaufhof-Häusern ist aus Sicht der Bank demnach eher unwahrscheinlich. „Unser Angebot, rund 60 der 90 Karstadt-Filialen zu übernehmen und unsere Gesprächsbereitschaft stehen“, sagte dagegen ein Metro-Sprecher.

von Daniela Pegna

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