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Wirtschaft Arcandor droht bereits am Montag die Insolvenz
Mehr Welt Wirtschaft Arcandor droht bereits am Montag die Insolvenz
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15:39 07.06.2009
Zum Handels- und Tourismuskonzern gehört unter anderem die Warenhauskette Karstadt. Derzeit ist eine Fusion mit der Metro-Tochter Kaufhof im Gespräch. Quelle: Torsten Silz/ddp

„Wir setzen alle Hebel in Bewegung“, sagte Arcandor-Sprecher Gerd Koslowski am Sonntag. Daher habe auch ein weiteres Krisengespräch auf Einladung von Arcandor-Vorstandschef Karl-Gerhard Eick mit Metro-Chef Eckhard Cordes stattgefunden. Darin sollte eine Fusion der Arcandor-Warenhaustochter Karstadt mit der Metro-Tochter Kaufhof vorangebracht werden. Man wolle alle Forderungen der Politik erfüllen, um die beantragten staatlichen Hilfen zu erhalten. Gelingt das nicht, droht bereits am Montag die Insolvenz.

Zu dem Treffen von Eick, Cordes, dem Arcandor-Aufsichtsratschef Friedrich Carl Janssen sowie dem Deutschland-Chef der Investmentbank Goldman Sachs, Alexander Dibelius, wollten Koslowski wie auch ein Metro-Sprecher zunächst keine Einzelheiten nennen. Eigentümer nahezu sämtlicher Karstadt-Häuser ist seit zwei Jahren die Immobiliengesellschaft Highstreet, an der Goldman Sachs mit 51 Prozent sowie die Deutsche-Bank-Tochter Preef und Pirelli Real Estate mit 49 Prozent beteiligt sind. Arcandor mit seinen Sparten Thomas Cook (Reisen), Primondo (Quelle) und Karstadt hat nach Medienberichten inzwischen die Mietzahlungen eingestellt.

Vor dem Treffen sagte Metro-Sprecher Michael Inacker: „Wir gehen davon aus, dass in den heutigen Gesprächen über den vom Vorstandsvorsitzenden der Metro Group, Eckhard Cordes, vorgeschlagenen vierstufigen Fahrplan zur Rettung der Karstadt-Warenhäuser geredet wird.“ Darüber hinaus werde es in dem Gespräch auch darum gehen, die Ernsthaftigkeit zu klären, mit der alle Beteiligten sehr zeitnah einen konstruktiven Beitrag zur Rettung von Karstadt-Warenhäusern und deren Arbeitsplätzen leisten könnten. In Deutschland arbeiten für Arcandor rund 56.000 Menschen.

Koslowski zufolge ist allerdings die angestrebte Warenhaus AG aus Karstadt und Kaufhof „keine Finanzierungsalternative“ zu den Staatshilfen. Diese seien trotzdem nötig. „Bezüglich der staatlichen Hilfen fahren wir im Moment zweigleisig“, sagte der Unternehmenssprecher. Man habe auf Anraten der Politik eine Staatsbürgschaft nach dem Schema des Wirtschaftsfonds Deutschland in Höhe von 650 Millionen Euro sowie 437 Millionen Euro nach den Vorgaben für eine Rettungsbeihilfe mit der Notwendigkeit einer EU-Beihilfeprüfung beantragt. Der im MDAX notierte Konzern rechnet am Montag mit einer Entscheidung über die beantragten Hilfen.

Koslowski zufolge gibt es neben den Gesprächen mit Metro und Goldman Sachs auch Verhandlungen mit dem Bankhaus Sal. Oppenheim, dass 29 Prozent an Arcandor hält. Laut einer Banksprecherin haben die Beteiligten über den Inhalt Stillschweigen vereinbart. Frühestens am Montag gebe es weitere Informationen.

Die Bundesregierung erwartet ein stärkeres Engagement der Arcandor-Eigentümer wie der Familie Schickedanz und Sal. Oppenheim. „Bei Arcandor muss man zunächst einmal die Eigentümer und die Gläubiger stärker fordern, zumal es Teile des Konzerns gibt, die wirtschaftlich gesund sind, wie zum Beispiel der Touristikbereich“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) der „Bild am Sonntag“ und brachte gleichzeitig die Rettungsbeihilfe anstelle der Staatsbürgschaft ins Spiel. In der Bundesregierung gibt es große Zweifel, dass Arcandor die Bedingungen des Wirtschaftsfonds Deutschlands erfüllt. Demnach darf ein Konzern nicht vor dem 1. Juli 2008 in Schwierigkeiten gewesen sein.

Dem Vernehmen nach soll Sal. Oppenheim zu einem größeren Rettungsbeitrag bereit sein. Dabei wolle sich die Bank als Großaktionärin entsprechend ihrem Anteil von 30 Prozent an einer Kapitalerhöhung beteiligen. Die mit knapp 29 Prozent an Arcandor beteiligte Aktionärin Madeleine Schickedanz würde sich diesem Vorschlag anschließen und die Kapitalerhöhung ebenfalls zeichnen.

Unterdessen demonstrierten am Sonntag Karstadt-Beschäftigte deutschlandweit gegen eine Schließung der Warenhäuser. Die Aktionen sollen fortgesetzt werden.

ddp

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