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Wirtschaft Arcandor-Rettung geht in eine neue Runde
Mehr Welt Wirtschaft Arcandor-Rettung geht in eine neue Runde
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21:39 05.06.2009
Von Alexander Dahl
Arcandor hofft auf den Druck der Basis. Quelle: Michael Gottschalk/ddp

Nach HAZ-Informationen sollen die Beratungen, wie das bedrohte Unternehmen aus der Krise geführt werden kann, am Wochenende weitergeführt werden. Am Freitag seien zunächst nur mögliche Varianten einer Arcandor-Zukunft durchgespielt worden, hieß es aus Teilnehmerkreisen. Noch am Morgen hatte das Essener Unternehmen einen neuen Weg eingeschlagen, um sich aus seiner Notlage zu befreien: Es stellte beim Bundeswirtschaftsministerium einen Antrag auf Rettungsbeihilfe in Höhe von 437 Millionen Euro.

Der Arcandor-Vorstandvorsitzende Karl-Gerhard Eick erklärte, sowohl Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) als auch VFizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) hätten ihm zu diesem Antrag geraten. Entschieden wird er aber letztlich in Brüssel, denn die EU muss solche Stützungsgelder, die tendenziell den Wettbewerb verzerren, genehmigen. Brüssel sagte gestern eine schnelle Prüfung zu. Der Arcandor-Antrag auf 650 Millionen Euro aus dem Deutschlandfonds der Bundesregierung wird parallel weiter geprüft.

Die EU hatte eine Zahlung aus dem Fonds bereits für rechtswidrig erklärt, da Arcandor schon vor Ausbruch der weltweiten Finanzkrise in wirtschaftlichen Schwierigkeiten gewesen sei. Am 12. Juni laufen Kreditzusagen der Banken für Arcandor aus.Sollte bis dahin keine Anschlussfinanzierung gesichert sein, muss der Konzern Insolvenz anmelden.

Seine tatsächliche Lage hat Arcandor bisher offenbar verschleiert. Nach einem Gutachten der Wirtschaftsprüfer von PriceWaterhouse-Coopers besitzt der Konzern „nur noch eine geringe Überlebensfähigkeit“, zitierte gestern die Zeitung „Handelsblatt“ aus dem bisher unveröffentlichten Bericht. Danach hat das Eigenkapital von Arcandor von einst 1,2 Milliarden auf 177 Millionen Euro verringert. Außerdem wurden von Oktober 2008 bis März 2009 rund 600 Millionen Euro Verlust gemacht – mehr als doppelt so viel wie im Zeitraum des Vorjahres.

Ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG bescheinigt Arcandor hingegen, ein „schlüssiges Konzept zur Sanierung zu haben“. Einer der Hauptaktionäre von Arcandor, die Bank Sal. Oppenheim, schlug unterdessen vor, dass Eigenkapital des Konzerns um 150 Millionen Euro zu erhöhen. Damit würde die Bonität verbessert und die Kreditwürdigkeit gesteigert. Die zweite Großaktionären, Madeleine Schickedanz, die ebenfalls 30 Prozent der Arcandor-Aktien hält, soll den Oppenheim-Vorschlag stützen. Mit diesem Eingriff und der Rettungsbeihilfe soll die Liquidität für die kommenden sechs Monate gesichert werden.

In dieser Zeit will Arcandor Gespräche mit dem Metro-Konzern, der die Warenhauskette Kaufhof betreibt, vorantreiben. Ziel ist die Gründung einer „Deutschen Warenhaus AG“. Die Deutsche Post AG fürchtet unterdessen, in den Strudel um die mögliche Arcandor-Insolvenz gerissen zu werden. Ein Postsprecher erklärte gestern, rund 4000 Mitarbeiter seien bisher für das Versandgeschäft des Konzerns tätig.

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