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Wirtschaft Ampelsystem soll Neuwagen kennzeichnen
Mehr Welt Wirtschaft Ampelsystem soll Neuwagen kennzeichnen
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11:46 04.08.2011
Von Michael Grüter
Kennzeichnung für Neuwagen: Die Ampel kommt. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Berlin

Danach soll in einem Ampelsystem die Verbrauchseffizienz jedes Fahrzeugs in Abhängigkeit vom Fahrzeuggewicht eingeordnet werden. Umweltschützer halten von dem System wenig: Weil das Gewicht einbezogen wird, können auch schwere Geländewagen und Luxuskarossen gut wegkommen.

Die Kennzeichnung orientiert sich an dem Ampelmuster, das von Haushaltsgeräten wie Waschmaschinen und Kühlschränken bekannt ist. Sie sieht acht Effizienzklassen vor, denen ein Farbverlauf vom satten Grün bei „A+“ für die höchste Effizienzklasse über Gelb für das durchschnittliche „D“ bis zum Rot für die schlechteste Effizienzklasse „G“ zugeordnet ist. Wie bisher müssen auch weiterhin absolute Verbrauchswerte und der Kohlendioxidausstoß ausgewiesen werden. Neu ist die Verpflichtung, die Jahressteuer und die jährlichen Energiekosten bei einer angenommenen Laufleistung von 20 000 Kilometern anzugeben. So werden auch Elektrofahrzeuge in die Kennzeichnung einbezogen.

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Die Berücksichtigung des Fahrzeuggewichts bei der Effizienzbewertung führt zu verblüffenden Ergebnissen, auf die der Verkehrsclub Deutschland (VCD) und die Deutsche Umwelthilfe (DUH) aufmerksam machen. Ist ein großes, schweres Auto in seiner Klasse vergleichsweise sparsam, wird es besser eingestuft als ein Kleinwagen, der in seiner Klasse am oberen Ende rangiert.

So erwartet die Umwelthilfe für schwere Geländewagen wie den Audi Q7 3.0 oder den Porsche Cayenne Hybrid das hellgrüne Label „B“, das für Kleinwagen mit halb so hohem Verbrauch kaum erreichbar ist. Selbst das Serienauto mit aktuell niedrigstem Kohlendioxidausstoß von 86 Gramm pro 100 Kilometer, der Smart cdi, erhält nach Berechnungen der Umwelthilfe nur die lindgrüne Effizienzklasse „C“. Und stünde der Kampfpanzer Leopard 2 beim Autohändler, würde er nach VCD-Angaben mit dem orangefarbenen „E“ eingestuft – wie ein Kompaktwagen mit 1,4-Liter-Benzinmotor.

Der Panzer braucht zwar deutlich mehr als 200 Liter Sprit auf 100 Kilometer, bewegt damit aber 60 Tonnen, entsprechend 50 Kleinwagen.Die DUH-Verkehrsexpertin Ulrike Bickel nennt die Verordnung „völlig ungeeignet“. Sie trage die Handschrift der Automobilindustrie. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) zeigt sich von dieser Kritik unbeeindruckt. Beim Autokauf habe sich der Käufer in der Regel für eine bestimmte Fahrzeugklasse entschieden, suche beispielsweise ein Familienauto, erklärte er am Mittwoch. Die Kennzeichnung helfe ihm beim Vergleich in dieser Klasse. Aus dem Wirtschaftsministerium heißt es, eine Einstufung nach den absoluten Verbrauchswerten würde zum Beispiel den Kleinwagensektor vom Optimierungsdruck entlasten.

Nach Berechnungen des Wirtschaftsministeriums liegt auf Basis der Neuzulassungen von Anfang 2010 rund ein Drittel der Fahrzeuge in der durchschnittlichen Effizienzklasse „D“. 2,6 Prozent erreichen „A“ und 0,2 Prozent die Klasse „A+“.

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