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Wirtschaft Ampel für Lebensmittel hat kaum noch Chancen
Mehr Welt Wirtschaft Ampel für Lebensmittel hat kaum noch Chancen
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19:02 15.03.2010
Quelle: dpa
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Zucker, Salz, Fett, Kalorien und gesättigte Fettsäuren: Wie viel davon in jedem Lebensmittel steckt, muss demnächst europaweit auf jeder Verpackung stehen – und zwar in absoluten Zahlen. Bisher waren die Angaben freiwillig. Zumindest das ist jetzt schon sicher, wenn der federführende Umweltausschuss des Europaparlaments am Diensatg über das Dossier Lebensmittelkennzeichnung abstimmt. Denn Unklarheiten und Streitereien gibt es noch viele. Ob Kalorienangabe pro Portion, Relation zum Tagesbedarf oder Ampel-Kennzeichnung: Das Votum gibt die Marschrichtung für Industrie und Verbraucher vor.

Im Vorfeld tobte der Glaubenskampf in Deutschland am Montag noch einmal besonders heftig. In keinem anderen EU-Staat wird so leidenschaftlich um die Ampel-Kennzeichnung – rot steht für „nur ab und zu essen“, grün für „gesunde Wahl“ – gestritten wie hierzulande. Dass Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sich zuletzt erneut gegen die Ampel ausgesprochen hat, brachte Verbraucherschützer in Rage. Die Organisation Foodwatch, die sich zusammen mit Krankenkassen und Kinderärzten für das Drei-Farben-System einsetzt, warf Aigner „eine unerträgliche Desinformationskampagne“ vor. Am meisten ärgerte die Befürworter, dass die Ministerin die Einführung der Ampel auf EU-Ebene bereits ausschloss. Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Dennoch könnte Aigner Recht behalten. Denn sowohl die EU-Kommission als auch die Mehrheit im federführenden Umweltausschuss halten nicht viel von den bunten Punkten. „Die Ampel ist der falsche Ansatz“, sagt die fränkische CSU-Europaabgeordnete Anja Weisgerber, die dem Ausschuss angehört. Da es für jeden Nährwert dann einen bunten Punkt gäbe, führe die Ampel die Verbraucher in die Irre. „Wenn ein Produkt einen gelben, einen grünen und zwei rote Punkte hat, ist es dann noch gesund oder schon ungesund?“, fragt Weisgerber. Außerdem führe diese Kennzeichnung zu absurden Ergebnissen. „Orangensaft würde wegen seines Zuckergehalts eine gelbe bis rote Kennzeichnung bekommen, eine Cola light hingegen einen grünen Punkt,“ so die Abgeordnete.

Um ihre Position zu stärken, veröffentlichten am Montag sowohl die Befürworter als auch die Gegner Umfragen zum Thema. So ermittelte die AOK, dass 90 Prozent der Eltern die Ampel wollten. Die Lebensmittelhersteller hielten dagegen: Laut Studie wünschen 74 Prozent der Verbraucher Kalorien- und Nährwertangaben in Bezug auf die Portion.

In Brüssel scheint die Ampel nicht genügend Unterstützer zu finden, denn Christdemokraten und Liberale sind dagegen. So könnte es letztendlich auf die so genannte GDA-Kennzeichnung hinauslaufen. Diese richtet sich am empfohlenen Tagesbedarf aus. Der Verbraucher soll anhand eines Piktogramms ablesen können, wie viel Prozent seines Tagesbedarfs an Kalorien, Fett, Salz und Zucker er mit dem Verzehr eines Produktes abdeckt. Viele Hersteller praktizieren dieses Modell bereits. Nach dem heutigen Votum des Ausschusses wird das Parlament im Mai darüber abstimmen.

Hanna Roth