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Wirtschaft Allianz mit Fiat soll Chrysler retten
Mehr Welt Wirtschaft Allianz mit Fiat soll Chrysler retten
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20:39 30.04.2009
Insolvenz angemeldet: Der US-Autobauer Chrysler Quelle: Jeff Haynes/AFP
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Dies kündigte US-Präsident Barack Obama am Donnerstag an. Die USA und Kanada gaben Kreditzusagen in Höhe von 10,4 Milliarden Dollar ab.

Obama bezeichnete die Allianz mit Fiat als „notwendigen Schritt“, der es Chrysler ermöglichen werde, „nicht nur zu überleben, sondern in der weltweiten Autobranche zu florieren“. Für die Zeit des Insolvenzverfahrens, das maximal 60 Tage dauern sollte, stellte das US-Finanzministerium 3,3 Milliarden Dollar (2,5 Milliarden Euro) an staatlicher Hilfe bereit. Weitere 4,7 Milliarden Dollar sollen nach einer erfolgreichen Umstrukturierung fließen. Die kanadische Regierung stellte 2,4 Milliarden Dollar Nothilfe bereit.

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Fiat werde erst dann eine Mehrheitsbeteiligung bei Chrysler übernehmen können, wenn alle US-Staatshilfen zurückgezahlt seien, kündigte Obama an. Das italienische Unternehmen teilte mit, eine Mehrheitsbeteiligung ab 2013 anzustreben. Schrittweise sollten nun die Anteile von zunächst 20 Prozent auf 35 Prozent aufgestockt werden. Die Allianz werde „einen machtvollen neuen Automobilkonzern schaffen“, erklärte Fiat-Chef Sergio Marchionne.

Chrysler kündigte an, die Arbeit in den meisten Werken für die Zeit des Insolvenzverfahrens ruhen zu lassen. Das Weiße Haus hatte zuvor mitgeteilt, dass es während des Verfahrens keine Entlassungen und Werksschließungen geben werde. Der Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Konkursrechts ermöglicht es, den Betrieb aufrecht zu erhalten und zu sanieren, ohne die Forderungen der Gläubiger bedienen zu müssen. Ziel ist, unter Aufsicht des Konkursgerichts wieder in die Gewinnzone zu kommen und so den Fortbestand zu sichern.

Obamas Ankündigung gingen dramatische Verhandlungen voran. Am Mittwochabend waren Verhandlungen mit Gläubigern über eine Reduzierung der Schulden gescheitert. Am Donnerstagmorgen dann gab das Weiße Haus bekannt, dass Chrysler Gläubigerschutz beantragen werde. Damit wurden die Grundlagen geschaffen für einen Einstieg von Fiat, den die US-Regierung zur Bedingung für eine weitere Unterstützung von Chrysler gemacht hatte.

Durch die Partnerschaft würden mehr als 30.000 Arbeitsplätze bei Chrysler und zehntausende weitere bei Zulieferern und Händlern gesichert, sagte Obama. Der 1919 gegründete Traditionskonzern Chrysler hatte seit Monaten mit Fiat verhandelt, das unter anderem auch eine Übernahme der deutschen GM-Tochter Opel anvisiert.

Chrysler-Chef Rob Nardelli kündigte derweil seinen Rückzug von dem Spitzenposten an. Das künftige Führungsteam bei Chrysler werde von Fiat und der US-Regierung benannt, teilte er mit. Chrysler ist derzeit noch im Besitz der US-Beteiligungsgesellschaft Cerberus. Das US-Finanzministerium kündigte an, bei der Führung des Konzerns keine aktive Rolle spielen zu wollen.

Die Sanierung außerhalb des Insolvenzrechts scheiterte nach Obamas Angaben an der Weigerung einiger Gläubiger, von ihren Forderungen abzurücken. Der Präsident zeigte sich verärgert. Er warf diesen Gläubigern, insbesondere Hedgefonds und Finanzinvestoren, mangelnde Opferbereitschaft vor. „Ich bin nicht einverstanden mit jenen, die nicht mitmachen, wenn alle anderen Opfer bringen“, sagte er.

Die von der US-Regierung geforderten Lohnkürzungen waren hingegen am Mittwochabend von der Chrysler-Belegschaft in einer Urabstimmung gebilligt worden. Die Vereinbarung sieht unter anderem Kürzungen bei den Zuzahlungen zur Krankenversicherung, einen Verzicht auf die an die Lebenshaltungskosten gebundenen Lohnerhöhungen sowie Einschränkungen beim Streikrecht vor.

afp