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Wirtschaft Allen Stanford: Von Antigua ins Gefängnis
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08:50 20.06.2009
Allen Stanford nach einer Verhandlung in Richmond, Virginia. Quelle: Win McNamee/afp

Nun hat sich der 59-Jährige den US-Behörden gestellt. Nach einer Nacht im Gefängnis sollte er noch am Freitag einem Richter im Bundesstaat Virginia vorgeführt werden.

Tausende von Investoren vor allem aus Lateinamerika haben insgesamt 6 bis 8 Milliarden Dollar an Einlagen verloren – und der Kricketsport einen wichtigen Sponsor. Die Art und Weise, wie Stanford diesen Nischensport voranbringen wollte, lässt die Großspurigkeit erahnen, mit der er seine in der karibischen Steueroase Antigua registrierte „Stanford International Bank“ regierte. „Mit der richtigen finanziellen Unterstützung kann Kricket zum dominierenden Mannschaftssport der Welt werden – größer noch als Fußball“, sagte Stanford im vergangenen Sommer.

Vollmundig waren auch die Versprechungen für die Zertifikate und Festgelder, die Stanford auf der als Steueroase geltenden Insel verwalten ließ. Die hohen Zinsen hätten nur gezahlt werden können, weil Stanford dafür Anlagegeld der Investoren verbraucht habe, wirft ihm die Finanzaufsicht SEC vor – ein Schneeballsystem also. Genauso hatte der geständige Finanzbetrüger Bernie Madoff in New York gearbeitet.

Stanford weist jedoch alle Schuld dem früheren Finanzchef seiner Bank zu. Zum größten Verlust von Kundengeld sei es erst gekommen, seit die Ermittler seinen Ruf ruiniert hätten. Von „Gestapo-Taktik“ sprach der Texaner in einem Interview mit der „New York Times“. Die US-Finanzaufsicht wirft Stanford unter anderem vor, dass er 1,6 Milliarden Dollar für sich selbst abgezweigt habe. Seine Replik: Er habe das Geld investiert, es sei aber wegen der Finanzmarktkrise zu Verlusten gekommen.

Mit bis zu 8 Milliarden Dollar erreicht der mutmaßliche Betrug zwar weniger als ein Fünftel der Dimension des Falles Madoff. Dafür bringt Stanford einen Hauch Exotik mit. Während Madoff in der New Yorker Elite zu Hause war, lag Stanfords Netzwerk auf Antigua, einer ehemaligen britischen Kolonie.

Auf der kleinen Insel, die nur 85 000 Einwohner hat, war er nicht nur wegen seiner Spenden für Kricket ein König. Kunden lud er zu Inselrundfahrten auf seiner Luxusjacht ein. Ihm gehörten die Fluglinie, die Zeitung, der größte Apartmentkomplex, ein Stadion und einige Restaurants. Das Interessengeflecht ging so weit, dass die Regierung des Inselstaates Stanford zum Chef einer Kommission machte, die mögliche Geldwäsche auf der Insel aufklären sollte. In den USA spendete Stanford Hunderttausende von Dollar an Politiker der Republikaner und Demokraten, die sich mit der Regulierung der Finanzmärkte beschäftigten.

Das Fazit des Treuhänders, der seit Februar die Bank verwaltet, ist vernichtend: „Die Nachrichten für die Investoren sind nicht gut“, schreibt er auf seiner Internetseite. „Es gibt keine Vermögenswerte, die nötig wären, um einen größeren Anteil der Einlagen einzulösen oder Zinsen zu zahlen.“ Stanford streitet dies ab. Der Treuhänder sei unfähig, das zu finden, was vorhanden sei.

von Andreas Geldner

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