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Wirtschaft Airbus will Zulieferer behalten
Mehr Welt Wirtschaft Airbus will Zulieferer behalten
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19:59 19.12.2010
Von Stefan Winter
Quelle: afp
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Angesichts der Probleme, die andere Flugzeugbauer in der Zulieferung hätten, sei man froh über die Kompetenz im eigenen Konzern, erklärte EADS-Finanzvorstand Hans Peter Ring. Die europäische Luftfahrtindustrie brauche eine leistungsfähige Zulieferszene.

Die Konzerntochter Airbus wollte sich im Zuge eines Sparprogramms 2008 von den Fabriken trennen, musste das Projekt aber mangels geeigneter Käufer abblasen. Französische Zulieferbetriebe wurden in die neue Aerolia eingebracht, drei deutsche Werke mit insgesamt mehr als 6000 Mitarbeitern und rund einer Milliarde Euro Umsatz firmieren seit Anfang 2009 als Premium Aerotec, die vollständig EADS gehört.

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Was vor zwei Jahren als Notlösung nicht zuletzt auf Druck der Politik zustande kam, gilt in dem europäischen Konzern mittlerweile als Glücksfall. Langfristig sei zwar ein Verkauf denkbar, sagte Ring, „aber im Moment sind wir sehr froh, dass wir sie haben“. Die Flugzeugbauer führen gerade das Material Kohlefaser ein und sind auf das Know-how der Spezialisten angewiesen. Die Werke in Augsburg und Nordenham werden im Moment für den Bau des neuen Langstreckenflugzeugs A350 XWB erweitert, bei dem erstmals im großen Stil Kohlefaser für die Rumpfstruktur eingesetzt wird. „Wir investieren viel Geld“, sagte Gallois.

In Nordenham bauen 2700 Mitarbeiter Rumpfschalen für Flugzeuge, aber auch die aerodynamischen Frontverkleidungen für den ICE 3 der Deutschen Bahn; Varel mit 1300 Mitarbeitern ist für Dreh- und Fräsarbeiten an Aluminium-, Stahl- und Titanteilen zuständig; in Augsburg bauen 2500 Menschen Rumpfteile inklusive elektronischer Ausrüstung. Zusätzlich entsteht in Rumänien gerade ein neues Werk mit 300 Mitarbeitern. Insgesamt werden bei Premium Aerotec mehrere Hundert Millionen Euro investiert. Wenn die Produktion des Langstreckenflugzeugs 2013 oder 2014 startet, könne das auch neue Stellen bringen, sagte ein Unternehmenssprecher.

Seit der Ausgliederung herrsche in den Betrieben „ein neuer Geist“, hat Gallois beobachtet. Premium Aerotec agiert als selbstständiger Systemzulieferer im Konzernbesitz. EADS bezahlt in Dollar, denn auch die fertigen Flugzeuge werden letztlich gegen US-Währung verkauft. Der Mutterkonzern mindert damit sein Wechselkursrisiko – die Tochter muss es tragen. Aerotec soll ausdrücklich auch andere Hersteller beliefern, ist bisher aber weitgehend mit Airbus-Projekten beschäftigt. Allerdings werden bereits Teile für die Boeing 787, den direkten Konkurrenten des A350, gefertigt.

Das Beispiel Boeing dürfte zum Sinneswandel bei der EADS-Führung beigetragen haben. Die Verzögerungen bei der Einführung der Boeing 787 werden in der Branche nämlich vor allem mit den Schwierigkeiten der Zulieferer erklärt, die Kohlefasertechnologie in den Griff zu bekommen. Deshalb sei es für EADS wichtig, diesen Bereich mindestens „in der Lernphase“ unter Kontrolle zu behalten, sagte Gallois. Auch EADS hatte in der Vergangenheit einige Probleme, seine Großprojekte im Griff zu behalten. Dort ist man deshalb froh, skeptische Fragen von Investoren mit dem Hinweis auf die Zulieferer im eigenen Haus beantworten zu können.