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22:05 10.11.2013
Von Carola Böse-Fischer
Auf der Agritechnica gibt es nicht nur Mähdrescher und Traktoren zu sehen.  Das Software-System „365FarmNet“ macht "ein wirklich effizientes Hofmanagement möglich ". Quelle: Peter Steffen
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Hannover

Was unter dem Namen „365FarmNet“ in Halle 17 auf der Landtechnikmesse Agritechnica in Hannover präsentiert wird, wirkt auf den ersten Blick wenig spektakulär: Noch eine Software, die dem Landwirt die Arbeit erleichtern soll? Als hätte er nicht schon genug Programme vom Sauenplaner über die Anbauplanung und Schlagverwaltung bis hin zur Buchführung, mit denen er seinen Betrieb organisiert.

Auch „365FarmNet“ ist ein Software-System. Und doch etwas „absolut Neues“, sagt Maximilian von Löbbecke. Es sei „die erste Informations- und Arbeitsplattform“, die die verschiedenen Betriebsprozesse und Daten vernetzt und damit ein wirklich effizientes Hofmanagement möglich macht – einfach zu bedienen an 365 Tagen im Jahr.

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Von Löbbecke ist Geschäftsführer der neuen Firma gleichen Namens. Derzeit hantierten Landwirte mit zehn bis 15 verschiedenen Programmen, sagt der IT-Experte. Mit diesen Insellösungen werde ein „Datenfriedhof“ verwaltet, weil die Informationen nicht verknüpft werden können.
Mechanisch hat die Landwirtschaft in den Industrieländern die Grenzen des Wachstums praktisch ausgereizt. Größere und schwerere Traktoren oder Mähdrescher lassen sich kaum noch bauen, weil sie zu groß für die Straßen würden. Um trotzdem noch mehr Ertrag herauszuholen, machen Landtechnikhersteller wie Claas ihre Maschinen „intelligent“ – indem sie diese digital aufrüsten.

Claas bietet einen Mähdrescher an, der sich dank Software „selbst optimiert“. Ist Regen im Anzug, sorgt das Fahrerassistenzsystem „Cemos“ dafür, dass der Turbo eingelegt und das Getreide im Rekordtempo eingefahren wird. Dies erhöht den Spritverbrauch, vermeidet aber Kosten für die Trocknung. Läuft alles normal, fährt der Mähdrescher automatisch mit „minimalen Kraftstoffeinsatz“. Nebenbei sammelt die Maschine, die ein „GPS-Pilot“ spurgenau lenkt, mithilfe von Sensoren Informationen über die Bodenbeschaffenheit. Damit wird in der nächsten Saison der Einsatz von Dünger und Pestiziden gesteuert.

„Wir wollen als Pioniere dabei sein“

Bisher brauchte der Landwirt dafür ein anderes Softwareprogramm, das die notwendigen Mengen errechnete und die Daten an den Düngerstreuer etwa von Amazone sandte. Bei „365FarmNet“ entfällt dies, wie von Löbbecke sagt.
Das funktioniert, weil man als „neutraler Dienstleister“ auftrete, erläutert Marketingchef Klaus-Herbert Rolf. Zwar habe man bei Claas die Idee gehabt und sei „365FarmNet“ eine 100-prozentige Tochter des Konzerns. Aber es war laut Rolf klar, dass die Firma unabhängig sein müsse – um Partner ins Boot zu holen.

Die neue Plattform sei offen für alle relevanten Anbieter, heißt es – vom Düngemittelhersteller bis zur Telekommunikationsfirma. Sechs renommierte Firmen sind bereits dabei. Dies erleichtere den Start, sagt Rolf. Und lockt weitere Partner an, so das Kalkül. KWS und Amazone jedenfalls zögerten nicht, bei „365FarmNet“ mitzumachen. „Wir sind ein innovatives Unternehmen und wollen deshalb als Pioniere dabei sein“, sagt KWS-Manager Christoph Bollmann. Die Idee sei gut, meint Tim-Randy Sia, Produktmanager bei Amazone. So bekomme der Bauer etwa via App oder Mausklick von KWS auf Basis seiner dort hinterlegten Flächendaten für jeden Schlag die optimal zum Standort passende Sortenempfehlung. Aufgrund dieser Daten könne danach Amazone ihm die Information zur optimalen Einstellung des Düngerstreuers für die ausgewählte Sorte auf einem bestimmten Schlag senden. Die Agritechnica soll für die neue Plattform der Probelauf werden.

Auf der Messe wird die Spitze des Fortschritts gezeigt, wie Karlheinz Köller, Professor an der Universität Stuttgart-Hohenheim, sagt. Aber bis er in der Breite bei den Landwirten ankomme, vergingen Jahre. Köller ist Vorsitzender der Neuheitenkommission der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), die die begehrten Gold- und Silbermedaillen für Innovationen auf der Agritechnica vergibt. Rund 400 Neuheiten wurden diesmal zu dem Wettbewerb der DLG angemeldet. Fast jede sei eine Weiterentwicklung in den Bereichen Elektronik, Sensorik und Software, berichtet Köller. Am Ende gab es vier Gold- und 33 Silbermedaillen.

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