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Wirtschaft Ärger beim Anbieterwechsel: 100 Euro Entschädigung pro Tag ohne Internet?
Mehr Welt Wirtschaft Ärger beim Anbieterwechsel: 100 Euro Entschädigung pro Tag ohne Internet?
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12:41 23.04.2019
Fehler 404 – wenn das Internet nicht geht. Quelle: picture alliance
Berlin / Saarbrücken

Im letzten Jahr wurden bei der Bundesnetzagentur 2350 Fälle angezeigt, in denen der Telefon- oder Internetanschluss von Kunden nach einem Anbieterwechsel mehr als einen Tag lang tot war. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor, über die die „Saarbrücker Zeitung“ berichtet.

Der Grünen-Abgeordneten Oliver Krischer sagte der Zeitung, das sei „nur die Spitze des Eisbergs“. Krischer verwies darauf, dass in den Vorjahren mit rund 3000 Anzeigen ähnliche Werte erreicht wurden. „Das läuft so seit Jahren ohne dass eine entscheidende Besserung in Sicht ist“.

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Dabei gelten im Falle eines Anbieterwechsels in Deutschland eigentlich strenge Regeln: Der alte Anbieter muss solange seine Leistungen aufrecht erhalten, bis der neue Anschluss freigeschaltet ist. Am Tag des Wechsels sei lediglich eine Versorgungsunterbrechung von maximal einem Werktag erlaubt, schreibt die Bundesnetzagentur. Die Regulierungsbehörde will so den Wettbewerb fördern.

Krischer schlägt nun vor, künftig pro Tag ohne Anschluss eine Entschädigung von 100 Euro zu erheben, die die Firmen an die Kunden zahlen müssten. „Das dürfte den notwendigen wirtschaftlichen Druck ausüben, dass die Übergabeprozesse besser koordiniert und mehr Techniker eingestellt werden“, betonte Krischer.

Rechte beim Anbieterwechsel

Keine Abschaltung bei Vertragsende: Wenn Kunden rechtzeitig zum Vertragsende einen Anbieterwechsel eingeleitet haben und das Vertragsende erreicht ist, darf der bisherige Anbieter nach Angaben der Bundesnetzagentur nicht einfach seine Leistung einstellen. Stattdessen müsse der bisherige Anbieter die Versorgung aufrecht erhalten, bis der Wechsel abgeschlossen ist.

Maximale Unterbrechung: Am Tag der Umschaltung kann es zu einer Versorgungsunterbrechung kommen. Dies sollte aber nicht länger als einen Kalendertag andauern, schreibt die Bundesnetzagentur. Gelinge die Umschaltung zum angekündigten Termin wider Erwarten nicht und sind Kunden länger als einen Kalendertag ohne Telekommunikationsversorgung, seien die Anbieter verpflichtet, sich kurzfristig um Ihre Weiterversorgung zu kümmern.

Reduzierung der Entgelte und taggenaue Abrechnung: Im Falle einer Weiterversorgung müssen Kunden ihren bisherigen Anbieter bis zur tatsächlichen Umschaltung bezahlen. Es müsse eine taggenaue Abrechnung erfolgen, heißt es bei der Bundesnetzagentur. Die Höhe des Entgelts richte sich dabei nach den ursprünglich vereinbarten Vertragsbedingungen mit der Maßgabe, dass sich die vereinbarten Anschlussentgelte um 50 Prozent reduzieren. Dies gilt jedoch nicht, wenn das Unternehmen nachweist, dass der Kunde das Scheitern des Anbieterwechsels zu vertreten hat.

Beibehaltung der Rufnummern: Bei einem Anbieterwechsel müssen die Versorgen grundsätzlich gewährleisten, dass Kunden Ihre Rufnummern mitnehmen können.

Von RND/dpa