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Wirtschaft Ackermann hofft auf ein Danke
Mehr Welt Wirtschaft Ackermann hofft auf ein Danke
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22:31 28.04.2009
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann Quelle: Thomas Lohnes/ddp
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Es sei ein gutes Gefühl gewesen, als er am Montagabend auf sein Handy geschaut habe, sagte Josef Ackermann am Dienstag. Per SMS hätten „sehr wichtige Politiker“ ihm zu seiner Vertragsverlängerung gratuliert. Ob das wohl die Kanzlerin persönlich war, die ja für ihre SMS-Leidenschaft bekannt ist? Möglich ist es, denn auf die Pflege der Kontakte in die Politik legt Ackermann großen Wert. Und in Berlin ist sein Ratschlag spätestens seit Ausbruch der Finanzkrise stets gefragt.

Eine solche Verbundenheit zwischen den Regierenden in Berlin und der Bank unter Ackermanns Führung wäre wohl noch vor einigen Jahren undenkbar gewesen. Vor Gericht hatte sich der heute 61-Jährige im Mannesmann-Prozess verantworten müssen. Sein Victory-Zeichen in die Kameras wurde legendär und er zum Abbild des gierigen Managers gestempelt. In die öffentliche Kritik geriet er auch, als er vor vier Jahren den Abbau von mehreren Tausend Arbeitsplätzen im selben Atemzug mit einem Milliardengewinn verkündete.

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Doch mit seiner Vertragsverlängerung bis 2013 wird klar, dass Ackermann sich schon lange mit den Rangeleien mit der Öffentlichkeit arrangiert hat. An den Konflikten ist er über die Jahre gewachsen und hat so verlorenes Vertrauen in Berlin aufbauen können. Und gleichzeitig schaffte er es, in der Bank unentbehrlich zu werden. So hat der Aufsichtsrat keinen anderen Nachfolger auserkoren, obwohl Ackermann nicht müde wird, darauf hinzuweisen, dass bei der Bank in vielen Bereichen „die Besten der Welt“ arbeiten. Es hätte also eigentlich andere Kandidaten geben müssen.

Doch der Respekt für die Leistung, die Deutsche Bank zumindest bislang ohne Staatshilfen durch die Finanzkrise geführt zu haben, ist zumindest innerhalb des Aufsichtsrats groß. Ackermanns Strategie, große Stücke auf das Investmentbanking-Geschäft zu setzen, wird mit der Entscheidung für ihn auch für die Zukunft zementiert, die Machtposition des Managers ausgebaut. „Das diversifizierte Geschäftsmodell ist einfach stabiler“, so Ackermann.

Diese strategische Weitsicht hat nach Ansicht des 61-jährigen Schweizers mehr Lob verdient, auch seitens der Öffentlichkeit. „Es wäre schön, wenn man mal ein Danke dafür bekommen würde“, meint Ackermann. Und wenn „irgendwann auch jemand mal sagen wird: Toll, dass Sie das für Deutschland gemacht haben“.

von Martin Dowideit