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Wirtschaft Abwrackprämie kurbelt Absatz an
Mehr Welt Wirtschaft Abwrackprämie kurbelt Absatz an
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20:38 02.07.2009
VW profitiert besonders von der Abwrackprämie. Quelle: Kai-Uwe Knoth/ddp
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Die Zuwachsraten dürften künftig nicht mehr die Rekordwerte der ersten Jahreshälfte erreichen. „Es wäre vermessen, die Zuwachsraten des ersten Halbjahres bei den Neuzulassungen einfach fortzuschreiben“, sagte am Donnerstag der Präsident des Branchenverbandes VDA, Matthias Wissmann.

Im ersten Halbjahr wurden knapp 2,1 Millionen Fahrzeuge auf deutschen Straßen neu angemeldet, 26 Prozent mehr als vor Jahresfrist. So viele Autos wurden in den ersten sechs Monaten seit einem Jahrzehnt nicht mehr neu zugelassen.

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Dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle lagen zuletzt 1,7 Millionen Prämienanträge und Reservierungen für die Abwrackprämie von 2500 Euro vor. Damit reichten die von der Bundesregierung bis zum Jahresende vorgesehenen Fördergelder von 5 Milliarden Euro noch für 300.000 Anträge.

Der Kraftfahrzeughandel rechnet damit, dass sich viele Verbraucher einen Neuwagenkauf trotz staatlicher Abwrackprämie und Rekordpreisabschlägen von teilweise über 7000 Euro wegen der zunehmenden Angst vor Arbeitslosigkeit künftig zweimal überlegen werden. „Der Rotstift in privaten Haushalten wird sich im zweiten Halbjahr ganz massiv bemerkbar machen“, sagte der Sprecher des Zentralverbands des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK), Helmut Blümer. Der Auftragseingang schrumpfe bereits.

Dennoch halten einige Branchenvertreter einen Anstieg der Neuzulassungen in Deutschland in diesem Jahr auf bis zu 4 Millionen Fahrzeuge für möglich. Die offiziellen Prognosen der Verbände gehen von bis zu 3,5 Millionen oder mehr aus, das wären gut 400.000 mehr als im Vorjahr. Weil viele Neuwagenkäufe wegen der auf dieses Jahr befristeten Abwrackprämie vorgezogen wurden, rechnet die Branche 2010 mit einem Rückgang auf unter 3 Millionen Neuwagen. „Dieses hohe Niveau wird im kommenden Jahr sicherlich nicht zu erreichen sein“, sagte Wissmann.

Viel wichtiger als das Inlandsgeschäft ist für die deutschen Hersteller jedoch die Entwicklung auf den Weltmärkten, da die Branche zu 80 Prozent vom Export abhängt. Für das laufende Jahr erwartet die Branche, dass die Produktion deutscher Hersteller im In- und Ausland von rund 11 Millionen auf 8,6 Millionen Pkw zurückgehen werde. Dann werde alles davon abhängen, wie die Nachfrage in den USA und in anderen wichtigen Märkten anziehe, hieß es beim VDA. Einen raschen Aufschwung erwartet Wissmann nicht – eher einen langen und steinigen Weg. Mittelfristig jedoch werde die Automobilindustrie weltweit auch wieder wachsen können, sagte er.

Der Nachfrageschub im Inland hat zwar die Situation der Branche einigermaßen stabilisieren können. Da das Auslandsgeschäft jedoch deutlich eingebrochen ist, sind Umsatz und Produktion stark gesunken. Zur Jahresmitte lagen die Ausfuhren um 35 Prozent unter dem Vorjahreswert, die Produktion um 24 Prozent darunter. 2009 würden insgesamt wohl 20 Prozent weniger Autos exportiert und 17 Prozent weniger produziert werden, hieß es. Ob die Branche diesen Rückgang mit Kurzarbeit ausgleichen könne, sei offen, sagte Wissmann. Bisher ist die Zahl der Beschäftigten in den vergangenen zwölf Monaten erst um gut 17.000 auf knapp 730.000 gesunken.