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Wirtschaft AWD sieht erste Erfolge der Sanierung
Mehr Welt Wirtschaft AWD sieht erste Erfolge der Sanierung
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21:26 16.12.2009
Von Albrecht Scheuermann
AWD-Zentrale in Hannover. Quelle: Christian Behrens
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Spürbare Fortschritte mache auch die Restrukturierung, die dem zum Schweizer Konzern Swiss Life gehörenden angeschlagenen Finanzdienstleister erhebliche Kosteneinsparungen bescheren soll.

„Wir haben die Lokomotive bei voller Fahrt repariert“, sagte der AWD-Chef. Man habe „alles verschlankt und deutlich Kosten rausgenommen“. Dies sei aber eine „Herkulesaufgabe“, es gebe noch viel zu „verordentlichen“. Die erreichten dauerhaften Kostenersparnisse pro Jahr bezifferte Behrens auf 46 Millionen Euro. Bis Ende kommenden Jahres sollen die jährlichen Fixkosten um 70 Millionen Euro gedrückt werden. Billig sind diese Erfolge jedoch nicht: Der Einmalaufwand für die Restrukturierung dürfte 2009 fast 50 Millionen Euro erreichen.

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Zu den Maßnahmen gehören der Abbau von Doppelarbeit und starke Einschnitte bei den Sponsoring-Ausgaben. In diesem Zusammenhang sei der Standort Hannover mit seinen knapp 600 angestellten Mitarbeitern sogar gestärkt worden. So habe man die Verwaltung der AWD-Tochter Horbach in Köln geschlossen und nach Hannover verlagert.

Auch im Ausland hat der Sparkurs Folgen: Wie der AWD-Chef bekanntgab, werden die Aktivitäten in Kroatien und Rumänien beendet. Dort habe das Unternehmen es nicht geschafft, das Geschäft in vernünftige Größenordnungen zu entwickeln. In Rumänien seien AWD-Außendienstler oft nur auf 20 Euro Einnahmen im Monat gekommen. Behrens sprach in diesem Zusammenhang von „Mickymaus-Veranstaltungen“, die man sich künftig nicht mehr leisten wolle.

Viel wichtiger sei es, die derzeit rund 10 Prozent betragende Fluktuation unter den AWD-Beratern zu verringern. Insgesamt bezifferte er die Zahl der „lizensierten Vermittler“ der Gruppe auf 5300. Sie sind in jetzt noch elf Gesellschaften in acht Ländern tätig. Weitere 3000 befänden sich in Trainee-Programmen.

Behrens betonte, dass die Unternehmensstrategie – anders als unter seinem Vorgänger Carsten Maschmeyer – nun auf organisches Wachstum gerichtet sei. Dies sei in den vergangenen Jahren zum Erliegen gekommen. Zukäufe seien dagegen vorerst kein Thema. „Wir brauchen nicht nach Russland, China und Istanbul zu gehen“. Vielmehr wolle man sich künftig mit mehr „Bodenhaftung“ bewegen.

Zudem hätten die Schweizer Eigentümer den Auftrag gegeben, dass die Geschäfte von AWD künftig personenunabhängig laufen sollen. „Der AWD wird von einer One-Man-Show in ein Team verwandelt“, sagte Behrens, ohne seinen Vorgänger namentlich zu erwähnen.