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Wahltagebuch Europa ist eine Partnersache
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19:08 10.05.2019
Unter anderem Straßennamen sind in Marburg den Partnerstädten gewidmet wie die Poitierstraße nahe des Aquamar. Quelle: Thorsten Richter/Archiv

Was Europa konkret bedeutet, das erschließt sich mir über die schöne Erfindung der Partnerstädte. So habe ich schon bei zwei Besuchen den Alltag in Marburgs französischer Partnerstadt Poitiers und in der slowenischen Partnerstadt Maribor kennengelernt.

Für mich verbindet sich Europa also vor allem mit Menschen wie der Theatermacherin Olga Jancar in Maribor oder dem Musik-Promoter Malcolm Hanson aus Marburgs britischer Partnerstadt Northampton, dem Miterfinder des „MaNo“-Festivals. Und dieses partnerschaftliche Europa gilt es zu bewahren.

von Manfred Hitzeroth

Europa bedeuetet für mich...

dass zusammenkommt, was zusammen gehört. Nach Jahrhunderten voller Krieg und Nationalismus sind wir jetzt endlich auf einem guten Weg, um Frieden, Menschenrechte und Demokratie zu wahren. Das klappt aber nur, wenn wir Gemeinsamkeiten betonen, statt immer nur an einzelne Nationalstaaten zu denken.

Meine Mutter kam zum Studieren aus Finnland nach Deutschland. Hier lernte sie auch meinen Vater kennen. Ich besitze beide Staatsbürgerschaften und habe das Glück, zwei der reichsten Länder Europas und der Welt mein Zuhause nennen zu dürfen. In Finnland und auch in Deutschland sind aber rechtspopulistische Kräfte auf dem Vormarsch, die den europäischen Zusammenhalt untergraben und zerstören wollen.

Es ist ungerecht, wenn reiche Mitgliedsstaaten nur auf ihren nationalen Vorteil aus sind. Ich wünsche mir, dass es in Europa zukünftig mehr Solidarität gibt – sei es bei der Verteilung von Finanzmitteln oder geflüchteten Menschen. Nur so können wir langfristig den Frieden und den Wohlstand in Europa sichern.

Das bedeutet zwangsläufig, dass auch Entscheidungen getroffen werden müssen, die nicht direkt Deutschland, Finnland oder einer anderen Nation zum Vorteil gereichen. Auf lange Sicht zahlt es sich für alle aus, wenn Europa zu einer Einheit zusammenwächst.

Ich bin Finne und ich bin Deutscher. Ich liebe meine Heimaten. Aber ich bin kein Patriot, sondern Europäer. Es gibt noch viel zu verbessern in Europa. Aber das heißt nicht, dass die europäische Idee keine gute Idee wäre.
von Joonas Roscher, Lehramtsstudent, Marburg, Finnland