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12:50 19.03.2018
Uwe Tellkamp stellt sich selbst in die rechte Ecke. Quelle: dpa
Berlin

Uwe Tellkamp schweigt jetzt. Nach seinen Dresdner Aussagen über angebliche 95 Prozent der Migranten, die „in die Sozialsysteme einwandern“, steht der Schriftsteller nun im Rufe des Pegida-Anhängers, der Suhrkamp-Verlag distanzierte sich von dem Autor. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer warnte vor einer „Stigmatisierung“. Soll heißen: Tellkamp als kritische Stimme dürfe nicht in die „rechte Ecke“ gestellt werden. Das besorgt der Dresdner indes selbst. Er gehört zu den Unterzeichnern einer sogenannten „Erklärung 2018“ gegen „illegale Masseneinwanderung“. Die Initiative war von der ehemaligen DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld ausgegangen.

Tellkamp solidarisiert sich dort „mit denjenigen, die friedlich dafür demonstrieren, dass die rechtsstaatliche Ordnung an den Grenzen unseres Landes wiederhergestellt wird“. Das fordern Renegaten von Henryk M. Broder über Thilo Sarrazin bis zu Ellen Kositza, die mit ihrem Mann Götz Kubitschek den Antaios-Verlag leitet, bei dem sich auch harte Rechtsextreme wohlfühlen, wie gerade wieder auf der Leipziger Buchmesse deutlich geworden ist. Dort war wie schon bei der Frankfurter Buchmesse die Debatte um rechte Verlage eins der beherrschenden Themen, es kam zu Tumulten.

Spannend am knappen Aufruf ist vor allem, was er nicht enthält: keinerlei Distanzierung von rechtsradikalen bis rechtsextremen Gruppen, die in Cottbus, Berlin, Hamburg und anderswo die Demonstrationen nutzen und zum Teil prägen. Tellkamp beklagt einen „Diskurskorridor“ und trägt gleichzeitig dazu bei, den Diskurs nach rechts zu verschieben.

Wer sich dorthin begibt, für den gilt selbstverständlich die Meinungsfreiheit, aber auch das Recht auf Gegenwind. Denn diejenigen, die sich voller Ressentiments beklagen, „wie Deutschland beschädigt wird“, beschädigen dieses Land. Doch nicht nur Gegenwind braucht es, sondern auch politischen Willen. Den Willen zur Durchsetzung von Regeln, zu klarer und gleichzeitig menschlicher Politik. Es ist höchste Zeit.

Tellkamp, Autor des Romans „Der Turm“, sagte infolge der Debatte um seine Dresdner Lesung seine im März geplante Lesereise in Norddeutschland ab. 2017 hatte der Autor bereits die sogenannte „Charta 2017“ unterzeichnet. Prominente Autoren hatten sich darin grundsätzlich dagegen ausgesprochen, Verlage von einer Buchmesse auszuschließen – unabhängig von ihrer Gesinnung. Initiiert hat den Protest die Dresdener Buchhändlerin Susanne Dagen.

Von Jan Sternberg/RND/May

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