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Welt Trumps Stabschef hat innerlich schon gekündigt
Mehr Welt Trumps Stabschef hat innerlich schon gekündigt
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19:39 19.11.2018
John Kelly, Stabschef des Weißen Hauses, steht während einer Unterzeichnungszeremonie des "Cybersecurity and Infrastructure Security Agency Act" im Oval Office. Quelle: dpa
Washington

John Kelly gilt als ein sehr belesener Mann. In diesen Tagen fühlt sich der 68-Jährige vielleicht an die griechische Mythologie erinnert, in der es heißt: Fliege nicht zu nah an die Sonne. Dem Ratschlag, den Dädalus seinem Sohn Ikarus gegeben haben soll, hätte wohl auch der frühere Soldat folgen sollen.

Als angesehener General, der sowohl bei Demokraten als auch bei Republikanern Respekt genoss, ging Kelly Anfang 2016 in den Ruhestand. Ein Jahr später folgte er jedoch dem Ruf des „Commander in Chief“.

„Es ist einfach nicht seine Stärke“

Als Stabschef im Weißen Haus muss er nun mit ansehen, wie sein Ruf mehr und mehr ruiniert wird. Gerade erst am Sonntag konnte sich die amerikanische Fernsehnation einen Eindruck verschaffen, wie leichtfertig Donald Trump über die Fähigkeiten seines engsten Mitarbeiters in aller Öffentlichkeit spricht: „Es gibt einige Dinge, die einfach nicht seine Stärke sind. Es ist nicht seine Schuld. Es ist einfach nicht seine Stärke“, sagte der Präsident über seinen Stabschef im „Fox News“-Interview. Von all der Wertschätzung, die das Staatsoberhaupt seinem Untergebenen in der Anfangszeit entgegenbrachte, ist offenbar nicht mehr viel geblieben. Auf die Frage, ob Kelly bis zum Ende seiner ersten Amtsperiode 2020 im Weißen Haus bleibe, sagte Trump lediglich: „Das könnte passieren.“

Nick Ayers könnte Kellys Nachfolger werden

Eine Aussage, die unter Beobachtern nicht mehr viel gilt. Als Nachfolger wird Nick Ayers hoch gehandelt, ein 36-jähriger Politikberater aus dem Team von Vizepräsident Mike Pence. Dass ausgerechnet ein – für Washingtoner Verhältnisse – blutjunger Verwaltungsmitarbeiter auf Kelly folgen könnte, ist nicht verwunderlich: Trump soll sich maßlos über die Beschreibungen aus dem Innenleben des Weißen Hauses ärgern, dass Kelly neben Verteidigungsminister James Mattis zu den „Erwachsenen“ in der Regierungszentrale gehöre, die den eigenwilligen Chef im Oval Office regelmäßig in die Schranken weisen. Auch das Buch „Fear“ von Bob Woodward dürfte das Vertrauen untergraben haben. Ob die Beschreibungen im Detail zutreffen, ist nach wie vor umstritten. Aber Kelly soll angesichts des Durcheinanders in der Regierung wütend durch das Weiße Haus gebrüllt haben: „We’re in Crazytown“(Wir sind in einer verrückten Stadt). Überhaupt sei es der schlimmste Job, den er jemals hatte.

Die Zitate wiegen schwer, zumal Kelly als General, der an den schlimmsten Konfliktherden im Irak im Einsatz war, als besonders stressresistent gilt.

Später war es allerdings Kelly, der innerlich gekündigt haben soll: Als sich Trump zunächst weigerte, sich in einer würdigen Form zum Tod des langjährigen Senators John McCain zu äußern, sei das Band zwischen Stabschef und Präsident endgültig gerissen.

Von Stefan Koch

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