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Welt Zu hohe Erwartungen stören das Weihnachtsfest
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14:19 10.12.2018
Das Weihnachtsfest kann im Streit enden, wenn man zu große Erwartungen hat. Quelle: Getty Images/iStockphoto
Hannover

Wer träumt nicht von einer besinnlichen und friedvollen Weihnachtszeit und einem harmonischen Weihnachtsfest? Die Realität sieht allerdings oft anders aus: Stress und Unzufriedenheit lassen die Weihnachtsplanung oftmals schief gehen. Der Streit unterm Tannenbaum ist damit vorprogrammiert. Wie schafft man es, dass das Weihnachtsfest nicht stressig wird, sondern harmonisch? Psychologen haben ein paar Ratschläge für ein Weihnachten ohne Stress und Streit.

Weihnachtsfest: Sind die Erwartungen zu hoch?

„Weihnachten ist für die meisten Menschen – seit Kindertagen – das Familienfest schlechthin“, sagt die Bottroper Psychologin Johanna Thünker. „In unseren Breiten lernen Kinder von klein auf, dass Weihnachten der Termin im Jahr ist, an dem die ganze Familie zusammenkommt, es Geschenke gibt und sich alle lieb haben. Diese Erwartung wird nicht zuletzt durch die Medien im kollektiven Bewusstsein präsent gehalten“, sagt die Expertin. Das Fest sei kulturell einfach enorm aufgeladen, meint auch Psychologin Katja Mierke, Professorin an der Fresenius-Hochschule Köln: „Weit über seine Bedeutung in den christlichen Religionen hinaus steht es in zahllosen (Kinder-)Geschichten sprichwörtlich für etwas, worauf man sich das ganze Jahr freut. Einzelhandel und Werbung tun ihr Übriges, diese Vorstellungen weiter auszuschmücken, um nicht zu sagen, zu überfrachten.“

Weihnachtsfeier: Wie teilt man gerecht auf, wann und wo gefeiert wird?

„Pauschal lösen kann man dieses Problem nicht“, sagt Psychologin Thünker – und hat zwei Tipps parat: „Zum einen sollte man eigene Bedürfnisse hinterfragen und diese auch berücksichtigen – und zum anderen frühzeitig planen, um niemanden kurz vor dem Fest vor den Kopf zu stoßen.“ Und sie sagt: „Außerdem kann ein Familienfest auch schön sein, wenn man es nicht am 24. Dezember durchführt.“ Katja Mierkes Rat: „Sprechen Sie miteinander, was Sie sich wünschen – bevor alle nur an etwas festhalten, weil sie denken, die anderen seien sonst enttäuscht.“

Weihnachten: Wen möchte man wirklich sehen?

Thünker empfiehlt, sich grundsätzlich zu fragen, wen man an den Festtagen eigentlich sehen will: „Macht es wirklich Sinn, Menschen einzuladen, mit denen man die übrigen 364 Tage im Jahr keinerlei Kontakt hat? Und wenn ja, muss das an Weihnachten sein, an dem Tag, an dem ohnehin alle emotional sind und alte Konflikte nur darauf warten aufzubrechen?“ Sie rät, den Festakt als solchen zu entzerren – „was spricht dagegen, einen Familienteil eher zu einem Nikolausfest einzuladen, einen Adventssonntag zum Familientreffpunkt zu ernennen oder gar die Tage, zwischen den Jahren’ zu nutzen, wenn die meisten ohnehin freihaben?!“

Gehasste und geliebte Weihnachts-Rituale: Gibt es eine Lösung?

„Rituale sind sehr wichtig, sie machen die Feiertage zu etwas Besonderem und halten gleichzeitig die Familie zusammen, weil es gemeinsame Erfahrungen und Erlebnisse gibt“, sagt Julia Scharnhorst, Psychologin aus Wedel in Schleswig-Holstein. „Also nicht voreilig alle Rituale abschaffen, sondern behutsam ab und zu prüfen, ob sie noch passen oder leicht abgeändert werden können. Aber gerade Erinnerungen an früher machen zu Weihnachten einen Teil der Freude aus: „Diese Kekse sind so lecker, die gab es bei Oma auch schon immer.“ Ihre Kollegin Thünker hingegen findet: „Es fühlt sich zwar im ersten Moment nicht richtig an, mit alten Traditionen zu brechen, das liegt aber nicht daran, dass die Ideen schlecht sind, sondern daran, dass der Mensch als solches ein „Gewohnheitstier“ ist. Neue Wege zu gehen kann auch heißen, neue positive Erfahrungen zu machen.“

Streit an Weihnachten: Sind wir an diesen Tagen zu empfindlich?

„Weihnachten ist in vielen Familien leider eine konfliktreiche Zeit“, weiß Julia Scharnhorst. „Das liegt einerseits daran, dass die Erwartungen an eine absolut harmonische und friedliche Zeit so hoch sind. Da stört jede kleine Meinungsverschiedenheit viel stärker als sonst. Außerdem ist dies oft die einzige Zeit, die erwachsene Familienmitglieder miteinander verbringen. Und da werden dann alle Probleme aufgetischt, die sich über das Jahr hinweg angesammelt haben.“ Stress komme auch durch die vielen Termine, sagt Katja Mierke: „Im Vorweihnachtskalender häufen sich die Extratermine, Basare und Aufführungen in den Schulen, Feiern im Kollegium, Adventskaffee mit der Familie, vorher natürlich schön backen und dekorieren. In vielen Unternehmen sind Projekte so geplant, dass sie vor dem Jahreswechsel abgeschlossen sein sollen. Das alles produziert eine Menge Stress. Da reicht dann oft eine Kleinigkeit als Auslöser – und die ist angesichts der hohen und womöglich recht unterschiedlichen Erwartungen schnell gefunden.“ Je höher die Erwartungen, desto eher könne man enttäuscht werden, meint Diplompsychologe Ralph Schliewenz – „aber: gerade die Erwachsenen sollten sich doch bereits selbst so gut kennen, dass sie ihre Empfindungen angemessen mitteilen und gegebenenfalls auch um Verständnis werben können, oder?“

Konflikt am Weihnachtsfest: Wie lässt sich Streit vermeiden?

„Gerade an Weihnachten wäre ich für vermeiden“, meint Schliewenz. „Warten Sie ab, ob Ihnen die aktuell stressigen Themen auch noch kurz vor Silvester oder im neuen Jahr ,unter den Nägeln brennen’. Falls das so sein sollte, dann kümmern sie sich in Ruhe um eine Klärung. Das könnte ja ein guter – und hoffentlich erfüllbarer – Vorsatz sein.“ Laut Julia Scharnhorst sollte man sich fragen, ob das Fest ohne die Familie wirklich schöner wäre – „dann doch lieber die kleinen Macken der anderen zu liebenswerten Besonderheiten erklären und die Verwandtschaft mit den guten und den schlechten Seiten im Gesamtpaket akzeptieren“.

Ungeliebte Geschenke: Sagt man Meinung?

Scharnhorst hat da eine eindeutige Position: „Nein, auf keinen Fall Geschenke als hässlich bezeichnen. Das verletzt den Schenkenden völlig unnötig. Schließlich lag dem Geschenk immer eine gute Absicht zugrunde, und die sollte man anerkennen. Entschärfen lassen sich solche Situationen, indem man vorab möglichst genau seine Wünsche kundtut. Und der Wert eines Geschenks liegt eben vorwiegend in der netten Geste, die besagt: Ich möchte dir etwas Gutes tun. Dieser Wert bleibt auch bestehen, wenn das Geschenk selbst einem nicht gefällt. Hier ist also höfliche Diplomatie gefragt. Und der hässliche Schal wird zu Hause im Schrank versteckt.“ Schliewenz sieht das anders: „In diesem Fall denke ich, dass die Mutter keine Ahnung vom Geschmack des eigenen Kindes hat. Dafür kann es unterschiedliche Gründe geben. Lassen sich diese verändern, könnte es sich durchaus lohnen, seinen Ärger zu zeigen.“

Wie wird das Weihnachtsfest harmonisch?

Wodurch lässt sich die Situation an den Festtagen „entstressen“? Weniger essen und trinken und mehr spazieren gehen? „Vielleicht. Und für andere vielleicht: weniger spazieren gehen und mehr essen und trinken. Oder etwas ganz anderes tun. Ich bin wirklich der Auffassung, dass wir mehr als genug gesellschaftliche Konzepte davon haben, was wie ,richtig’ ist“, sagt Katja Mierke. „Es könnte an der Zeit sein, dass wir uns die Freiheit wieder erobern, Weihnachten einfach so zu verbringen, wie wir und unsere Lieben es gern möchten. Und wer lieber ganz lebkuchenfrei in Urlaub fährt, dem sollte auch das erlaubt sein.“

Geschenke-Flut: Wie verkraften Kinder Trubel und Aufregung?

„Schaffen Sie Rituale“, empfiehlt der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut Ralph Schliewenz. „Kinder brauchen etwas, auf das sie sich verlassen können. Ordnen Sie am besten vorher das, was auf die Kinder zukommt, in verdaubare Portionen. Kinder genießen es auch, drei Tage hintereinander beschenkt zu werden. Sie müssen nicht alles von allen auf einmal bekommen.“

Von RND

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