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Welt Sigmar Gabriel warnt davor, die Kanzlerin abzusägen
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14:48 20.06.2018
Der frühere Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) warnt davor, Bundeskanzlerin Angela Merkel aus dem Amt zu drängen. Quelle: dpa
Köln

Der frühere Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat davor gewarnt, Bundeskanzlerin Angela Merkel aus dem Amt zu drängen. „Ich halte es für sehr gefährlich, jetzt an ihrem Stuhl zu sägen“, sagte er bei den Screenforce Days in Köln, einem Branchentreffen von Medien- und Werbeunternehmen. „Wer Merkel gefährdet, gefährdet Europa.“ Stattdessen müsse man sie stützen, um den Zusammenhalt des Kontinents zu fördern.

Gabriel sprach von einer „Weltordnung im Übergang“, bei der der Westen zusehends an Einfluss verliere. „Die Gewichte verschieben sich.“ Die europäische Politik spiele deshalb mit dem Feuer, wenn sie auf nationale Alleingänge und Egoismen setze. US-Präsident Donald Trump habe das Bündnis mit den westlichen Staaten „per Tweet“ aufgekündigt. In dieses Vakuum stießen andere Kräfte vor – der Iran oder China etwa. In Anspielung auf die aktuellen Tweets von Trump zur Flüchtlingspolitik der Bundesregierung sagte Gabriel: „Der US-Präsident versichert dem nordkoreanischen Führer Kim Jong Un, er wolle das dortige Regime nicht verändern – und gleichzeitig wirbt er für einen Machtwechsel in Deutschland? Das zeigt, wie verrückt die Welt geworden ist.“ Dass Europa dennoch immer wieder das Gespräch mit Trump suche, erinnere ihn an das alte Scherzmotto zur „zweiten Ehe“: Sie sei „der Triumph der Hoffnung über die Erfahrung“.

Gabriel: „Niemand hat das Recht auf seine eigenen Fakten“

Gabriel warb für einen „starken, aufklärerischen Journalismus“, um dem Trend zur Lüge und zur Aufweichung von Fakten entgegenzuwirken. „Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung, aber niemand hat das Recht auf seine eigenen Fakten.“ Journalisten würden heute diffamiert als „Handlanger einer korrumpierten Elite“. Gerade darum würden sie „stärker gebraucht denn je“. Die gesellschaftliche Grundordnung sei in Gefahr: „Jeder verdächtigt heute jeden – der Lüge, der Manipulation, der Verschwörung. Das ist eine toxische und sehr gefährliche Entwicklung.“

Deutschland müsse akzeptieren, dass es sich in einem fundamentalen Umbruch befinde. Die Krise in der Autoindustrie, die Erosion der großen Volksparteien und der offensive Ton der öffentlichen Auseinandersetzung seien Symptome dieses tiefen Wandels. „Das Deutschland, in dem eine große Mehrheit Volkswagen oder Mercedes fährt, SPD oder CDU wählt und samstags die ,Tagesschau‘ und dann ,Wetten, dass...?‘ guckt, gibt es nicht mehr. Und es wird auch nicht wiederkommen.“

Die Gesellschaft fragmentiere sich – das spürten derzeit auch die privaten Fernsehsender, deren Reichweite immer geringer werde. Bei den Screenforce Days stellen 40 Fernsehsender der Werbeindustrie ihre Planungen vor, um sie als Kunden zu gewinnen. „Ich habe mich gefragt, warum ich als Gastredner eingeladen wurde“, scherzte Gabriel – „aber dann habe ich gemerkt: Wir haben beide ein Reichweitenproblem“.

Von Imre Grimm/RND

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