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14:22 17.03.2018
Bloß nicht hochklappen: Das Poloshirt ist zurück – und diesmal ganz ohne Angeberimage. Quelle: Lacoste
Berlin

Im Ranking der größten Modeunfälle belegt der hochgestellte Polohemdkragen einen der vordersten Plätze. Die Generation Golf hat in den Achtzigerjahren und in den frühen neunziger Jahren das kultiviert, was zuvor als Schickimicki-Insignie vor allem auf Golf- und Tennisplätzen galt: das steil und steif wie eine Eins stehende verstärkte Strickbündchen am pastellfarbenen Knopfleisten-Shirt, das den Kopf wie aus einem Trichter herausragen ließ.

Plötzlich war dieser halslose Look Schulhofmode, eroberte aber vor allem die BWL- und Jura-Hörsäle an den Unis. Diese Phase markierte den Untergang eines einst als revolutionäres Sportdress gefeierten Kleidungsstücks. Das Poloshirt wurde zum Symbol schnöselhafter Spießigkeit (Lacoste), blasiertem Von-Beruf-Tochter-Gehabe (Ralph Lauren) und neureichem Markenfetischismus (La Martina). Kurz: Es wurde untragbar.

Jetzt jedoch ist es zurück im Modezirkus. Luxusmarken wie Marni und Berluti haben das Polo-Hemd aus der Bannecke heraus wieder ins Rampenlicht gerückt – in so konservativer Ausführung, dass die Modelle schon wieder Avantgarde sind. Beim italienischen Label Marni etwa hat man sich das Rentner-Outfit von Miami-Millionären als Vorlage genommen: in der geräumigen XXL-Version mit Ärmeln bis zum Ellenbogen lässt sich lässig dem Sonnenuntergang frönen.

Auch Rochas zeigte bei der Modewoche in Paris Poloshirts – selbstverständlich zugeknöpft und mit heruntergeklapptem Kragen. Quelle: imago/Starface

Miu Miu favorisiert ebenfalls die Oversize-Variante, liefert aber noch verspielte Muster dazu. Céline setzt auf Stickereien und Marc Jacobs auf skulpturale Ärmel, stoffüberzogene große Knöpfe und spitze Kragenenden. Calvin Kleins Neuinterpretation aus Satin steht für die eher seltene figurbetonte Linie bei den Damen.

Berluti, Traditionsmarke für handgefertigte Herrenschuhe, hat sich mittlerweile darauf verlegt, Männer von Kopf bis Fuß klassisch einzukleiden. Schwarze Polo-Shirts ersetzen hier das Hemd zur Anzughose. Anders als bei den Frauen ist das Männer-Poloshirt eng geschnitten und aus wenig flattertauglichem Pikee. Die Knöpfe sind bis zum letzten geschlossen, der Kragen konsequent heruntergeklappt. In dieser sportlich-eleganten Ausführung kommt das Polo-Hemd seinem Prototyp am nächsten.

Willkommenes Modediktat

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde es erstmals in Indien als Trikot bei Polo-Spielen eingeführt. Tennis-Spieler hingegen mussten zu dieser Zeit noch mit langen Ärmeln auf dem Platz antreten. Dank dem französischen Tennisspieler René Lacoste änderte sich das in den dreißiger Jahren: Der Mann, der seinen Spitznamen “Krokodil“ zum Markenzeichen machte, gilt als Erfinder des modernen Polo-Hemds.

Auf wen der hochgestellte Kragen zurückgeht und vor allem, was er jenseits des Angeber-Images zu bedeuten hat, ist dagegen nicht überliefert. Lacoste jedenfalls feiert in diesem Jahr 85. Geburtstag mit einer limitierten Edition von Pikee-Shirts, die mit geschlossener Knopfleiste und allesamt mit brav heruntergeklappten Kragen präsentiert werden. Das wirkt so streng und konsequent, dass es nach Modediktat aussieht. In diesem Fall ist es ein sehr willkommenes.

Von Kerstin Hergt

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