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21:17 27.07.2014
Ein zerstörtes Auto in der Nähe des Flughafens von Tripolis, der seit zwei Wochen hart umkämpft wird. Quelle: dpa
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Tripolis

Das US-Außenministerium rief alle Staatsbürger zum sofortigen Verlassen Libyens auf. Auch das Auswärtige Amt forderte alle Deutschen zur Ausreise auf. Die Lage in dem nordafrikanischen Land sei „extrem unübersichtlich und unsicher", hieß es in einer am Wochenende aktualisierten Reisewarnung des Außenministeriums. „Gerade auch deutsche Staatsangehörige sind einer deutlich ansteigenden Anschlags- und Entführungsgefahr ausgesetzt." Großbritannien schloss sich den Warnungen an und reduzierte das Personal in seiner Botschaft.

Ein Sprecher der britischen Vertretung teilte am Sonntag mit, ein Konvoi mit Mitarbeitern sei Opfer eines Angriffs Bewaffneter geworden. Demnach wurde aber niemand verletzt. Auch Belgien, Malta, Spanien und die Türkei fordern ihre Staatsbürger seit einiger Zeit zur Ausreise auf. Die USA evakuierten ihre Botschaft in Tripolis vollständig. Die Mitarbeiter wurden am Samstag mit einem durch Kampfjets und Militärhubschrauber aus der Luft abgesicherten Konvoi nach Tunesien gebracht.

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Hintergrund sind die seit zwei Wochen anhaltenden Gefechte rivalisierender Milizen um den internationalen Flughafen in der Hauptstadt, der in der Nähe der Botschaft liegt. US-Außenminister John Kerry sprach von einem „sehr realen Risiko für unser Personal", weil die Milizen quasi „uneingeschränkten Spielraum" für ihre Aktionen in Tripolis hätten. Die Botschaftsmitarbeiter will Kerry erst zurückbeordern, wenn die Sicherheitslage es erlaubt.

Noch immer ist in den USA die Erinnerung an den Angriff radikaler Islamisten auf das US-Konsulat in Bengasi im Osten Libyens wach, bei dem am 11. September 2012 der Botschafter Chris Stevens und drei US-Mitarbeiter getötet wurden. Zu Beginn des Jahres hatten mehrere Länder wie Saudi-Arabien und Algerien ihre Vertretungen in Libyen geschlossen, am Freitag stellte auch die Türkei ihr diplomatisches Geschäft vor Ort bis auf Weiteres ein.

Der Flugbetrieb in Tripolis ist seit Beginn der Kämpfe am 13. Juli eingestellt. Mehrere europäische Länder warnen vor Reisen nach Libyen, riefen aber noch nicht zur Ausreise auf. Die libysche Regierung warnte angesichts der Gefechte jüngst gar vor einem „Zerfall des Staats".

Nach offiziellen Angaben wurden mindestens 47 Menschen bei den Kämpfen in Tripolis getötet und mehr als hundert verletzt. Binnen zwei Wochen wurden nach Regierungsangaben 97 Menschen getötet. In Bengasi wurden am Wochenende bei Gefechten zwischen Armee und Islamisten mindestens 38 Menschen getötet, der Großteil davon Soldaten. Nach Angaben aus Militärkreisen hatten die islamistischen Kämpfer am Samstag das Hauptquartier einer Spezialeinheit angriffen.

Bengasi ist eine Hochburg der Islamisten. Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 liefern sich rivalisierende Milizen Kämpfe um die Vorherrschaft und Kontrolle einzelner Städte. Selbst die Regierung ist auf ihre Hilfe angewiesen, weil es keine funktionierenden Sicherheitskräfte gibt.

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