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Politik Zollitsch beschwert sich bei Merkel über Ministerin
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18:35 24.02.2010
Robert Zollitsch hat der Justizministerin ein Ultimatum gestellt. Quelle: dpa
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Nach den umstrittenen Äußerungen von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) über sexuelle Missbrauchsfälle hat sich die katholische Kirche bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beschwert. Über das Telefonat zwischen der Kanzlerin und dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zolitsch, wurde Stillschweigen vereinbart, sagte DBK-Sprecher Matthias Kopp am Mittwoch in Freiburg auf Anfrage. Nach Angaben des Bundespresseamtes fand das Gespräch am Dienstagnachmittag statt. Zum Inhalt gab es keine Informationen.

Zollitsch wolle sich zunächst nicht mehr öffentlich zu den Vorwürfen gegen die Justizministerin äußern, sagte Kopp. Auch zur Frage, ob er an dem von ihn am Dienstag gesetzten 24-Stunden-Ultimatum festhalte, wolle er zunächst keine Angaben machen. Abgewartet werde vermutlich eine Reaktion der Ministerin, hieß es.

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Leutheusser-Schnarrenberger hatte am Montagabend in den „Tagesthemen“ zu den in den vergangenen Tagen bekannt gewordenen Fällen von sexuellem Missbrauch gesagt, sie erwarte, „dass die Verantwortlichen der katholischen Kirche endlich konstruktiv mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten, Hinweise geben, mitaufklären“. Bisher habe sie nicht den Eindruck, dass die Verantwortlichen „ein aktives Interesse an wirklich rückhaltloser und lückenloser Aufklärung gezeigt haben“.

Zollitsch sprach am Dienstag von der „seit Jahren schwerwiegendsten Attacke“ einer Bundesregierung gegen die katholische Kirche. Die Ministerin habe in dem Interview „maßlos gegen die Kirche polemisiert“. Seine Irritation habe er ihr schriftlich mitgeteilt.

Laut „Hamburger Abendblatt“ kündigte Leutheusser-Schnarrenberger eine schriftliche Reaktion auf die Vorwürfe an. „Ich werde in angemessener Form schriftlich dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz antworten“, zitiert sie die Zeitung. „Ich halte wenig von einem wechselseitigen öffentlichen Schlagabtausch.“

„Ungerechtfertigt, maßlos und irreführend“

Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) forderte Leutheusser-Schnarrenberger auf, ihre Aussagen zu korrigieren. Ihre Bewertung sei „ungerechtfertigt, maßlos und irreführend“, erklärte ZdK-Präsident Alois Glück. Bekannt geworden seien die Missbrauchsfälle durch eigene Initiativen der kirchlichen Stellen. „Dies belegt den entschiedenen Willen zur rückhaltlosen Aufklärung und zur öffentlichen Transparenz“, betonte Glück. Absoluten Vorgang habe die Hilfe für die Opfer und die Solidarität mit ihnen, nicht ein Schutz von Tätern oder der Institution Kirche.

Zum Auftakt der in Freiburg tagenden Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz hatte Zollitsch ausführlich zu den Missbrauchsfällen Stellung genommen und sich erstmals bei den Opfern entschuldigt. Der Freiburger Erzbischof betonte, er wünsche sich, dass die staatlichen Behörden so schnell wie möglich eingeschaltet würden und die Staatsanwaltschaften alle möglichen Einblicke erhielten.

„Wir brauchen in unserer Gesellschaft - und das gilt für uns selbst ganz besonders - eine Kultur des aufmerksamen Hinschauens“, sagte Zollitsch. „Wir müssen wachsam sein für das, was im Verborgenen passiert. Und wir müssen den Mut haben, Unrecht sofort beim Namen zu nennen, da wo es passiert.“ Es dürfe keinen Missbrauch geben, schon gar nicht im Raum der Kirche.

dpa/ap

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