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Mehr Welt Politik Zivile Opfer schon früh Thema im Kanzleramt
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15:57 25.03.2010
Der frühere Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU)
Der frühere Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) Quelle: dpa (Archiv)
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Das Bundeskanzleramt hatte schon wenige Stunden nach dem Bombardement von Kundus Hinweise auf zivile Opfer. In einer am Morgen des 4. September 2009 intern im Kanzleramt versendeten Mail, die dem Untersuchungsausschuss des Bundestags als Ausdruck zur Verfügung gestellt wurde und dieser Zeitung vorliegt, ist von 50 bis 100 toten Zivilisten die Rede. Die Bundesregierung hatte wochenlang keine klare Aussage dazu gemacht, ob es zivile Opfer gegeben habe.

Die Mail, über die am Donnerstag zuerst „Spiegel Online“ berichtete, wurde an führende Beamte der für die Geheimdienste zuständigen Abteilung 6 im Kanzleramt versendet. Der Absender beruft sich auf eine „unverbindliche Erstinfo des BND“ und ging offenbar noch davon aus, dass die von einem Bundeswehroberst befohlene Aktion von den US-Streitkräften verantwortet wurde. „Vorfall kann sowohl kriminellen (Diebstahl von Treibstoff) als auch terroristischen (mögliche Nutzung für TER Anschlag) Hintergrund haben“, heißt es in der Mail. „Offenbar hat die US-Seite zweite Möglichkeit für wahrscheinlich gehalten und Luftangriff durchgeführt.“

Weiter heißt es in der Mail: „Das Verheerende daran ist, dass dabei zahlreiche Zivilisten ums Leben gekommen sind (Zahlen variieren von 50 bis 100).“

Das Bundespresseamt bestätigte am Nachmittag: „Es handelt sich bei der von Spiegel Online zitierten E-Mail vom 04. September 2009 um eine - so wörtlich - „unverbindliche Erstinfo des BND“ mit einer als Anlage übermittelten BBC-News-Nachricht, deren Überschrift als Betreffzeile übernommen wurde.“ Diese E-Mail wie auch die weiteren Unterlagen des Bundeskanzleramtes seien dem Untersuchungsausschuss bereits übergeben worden. „Sie bestätigen einmal mehr, wie richtig es war, dass die zuständigen Mitarbeiter des Bundeskanzleramtes von Beginn an allen Hinweisen mit Nachdruck nachgegangen sind.“

Die Unterlagen „bestätigen darüber hinaus die Haltung der Bundeskanzlerin, zu keinem Zeitpunkt zivile Opfer auszuschließen und sogleich deutlich zu machen, dass die offizielle Untersuchung der ISAF abgewartet werden muss“, schreibt das Bundespresseamt.

dpa

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