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Politik Zehntausende Atomkraft-Gegner demonstrieren in Berlin
Mehr Welt Politik Zehntausende Atomkraft-Gegner demonstrieren in Berlin
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17:58 05.09.2009
Der Anti-Atom-Treck auf dem Weg nach Berlin.
Der Anti-Atom-Treck auf dem Weg nach Berlin. Quelle: ddp
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Bei einer Großdemonstration forderten sie die Politik auf, an dem im Jahr 2000 von der damaligen rot-grünen Koalition und den Kraftwerksbetreibern vereinbarten Ausstieg aus der Atomkraft festzuhalten. Zu der Aktion hatte ein breites Bündnis von Umweltverbänden, Gewerkschaften und Bürgerinitiativen aufgerufen.

Der Zug, dem sich auch rund 350 Traktoren anschlossen, führte vom Hauptbahnhof durch das Regierungsviertel zum Brandenburger Tor. An der Aktion unter dem Motto „Mal richtig abschalten!“ nahmen nach Angaben der Veranstalter rund 50.000 Menschen teil. Die Polizei sprach von etwa 20.000 Demonstranten. Zu ihnen gehörten Spitzenpolitiker wie Grünen-Parteichefin Claudia Roth und Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) sowie Künstler wie Sängerin Nina Hagen. Aber auch viele Familien mit Kindern waren teilweise fantasievoll verkleidet mit dabei.

Auf Transparenten hieß es unter anderem „Biblis stilllegen, jetzt!“, „Atomkraft, Nein danke“ und „Schluss mit Atomkraft“. Die Traktoren kamen vor allem aus dem niedersächsischen Lüchow-Dannenberg, aber auch aus anderen Teilen Norddeutschlands und aus Brandenburg. Viele Anhänger waren als politische Themenwagen geschmückt oder von Firmen und Verbänden gestaltet.

Der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger, sagte, Atomkraft sei eine „hochsubventionierte Sackgasse“. Die große Beteiligung an der Demonstration zeige, dass die Anti-Atomkraft-Bewegung „lebendiger denn je“ sei. Sie wehre sich, wenn die Union den Atomausstieg aufschieben wolle. An die Adresse von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte Weiger, wenn sie zu ihrem Wahlslogan „Klug aus der Krise“ stehe, müsste sie eigentlich die Anti-Atomkraft-Bewegung anführen.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) begrüßte die Demonstration. Der Aufmarsch habe gezeigt, „dass eine Aufkündigung des Atomkonsenses durch Schwarz-Gelb auf entschiedenen Widerstand in der Bevölkerung stoßen würde“, sagte Gabriel. Für die Atomkonzerne gehe es bei der Bundestagswahl „um alles oder nichts“. Union und FDP warf Gabriel vor, sie betätigten sich als „politischer Arm“ der Atomkonzerne im Bundestag. Diese hofften auf einen schwarz-gelben Wahlsieg, weil dann Milliardengewinne durch eine Verlängerung der Laufzeiten winkten.

Getragen wurde die Aktion von rund 100 Organisationen. Die Demonstration bildete zugleich den Abschluss eines einwöchigen Traktor-Trecks, zu der die bäuerliche Notgemeinschaft aus dem Wendland aufgerufen hatte. Gestartet war der Protestzug im niedersächsischen Gorleben.

ddp