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Politik ZdK-Wahl: Wechsel an der Spitze des höchsten katholischen Laiengremiums in Deutschland
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00:00 19.11.2021
Thomas Sternberg, Präsident des ZdK (Zentralkomitee der deutschen Katholiken) verteidigt den Beschluss des bayrischen Kabinetts, künftig wieder Kreuze in allen Landesbehörden anzubringen.
Thomas Sternberg kandidiert nach sechs Jahren als Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) nicht noch einmal.
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Berlin

An der Spitze des höchsten Laiengremiums in der katholischen Kirche in Deutschland steht ein Wechsel bevor. Am Freitag wird in Berlin die neue Führungsspitze des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) gewählt. Nach sechs Jahren als ZdK-Präsident tritt Thomas Sternberg nicht noch einmal an.

Die Herausforderungen für die Kirche bleiben aber groß, sagt er dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND): „Die Kirche muss zum einen den unglaublichen Skandal von sexualisierter Gewalt auch in ihren Reihen und dessen Ursachen konsequent aufarbeiten, Kindesmissbrauch überall bekämpfen und den Betroffenen gerecht werden.“ Gleichzeitig müsse die Kirche durch ehrlichen Reformwillen und offenes Zugehen auf Menschen mit anderen Positionen Vertrauen und Glaubwürdigkeit in der Gesellschaft zurückzugewinnen.

Sternberg schmerze, dass die Kirche in der Debatte um sexuellen Missbrauch so viel Kredit verspielt habe, dass sie bei vielen gesellschaftlichen Themen nicht mehr gefragt sei. „Wir müssen darüber nachdenken, wie wir mit Themen des Glaubens in der Gesellschaft präsent sein können“, sagte er.

ZdK: Irme Stetter-Karp und Ulrich Hemel stellen sich zur Wahl

Zur Wahl für das Amt des ZdK-Präsidenten stehen die Vizepräsidentin und Genderbeauftragte des Deutschen Caritasverbands, Irme Stetter-Karp, und der Unternehmensberater und Präsident des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU), Ulrich Hemel.

Irme Stetter-Karp ist Sozialwissenschaftlerin und bemängelt den seit rund 50 Jahren anhaltenden Reformstau in der Kirche. „Es ist offensichtlich, dass der Katechismus in Fragen der Sexualmoral mit der Lebenswelt der Menschen heute in großer Spannung steht“, sagte sie dem RND. Ändern solle das nun ein Grundsatztext aus dem Reformdialog „Synodaler Weg“, an dem Stetter-Karp mitgewirkt hat und der unter anderem eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare vorsieht. In die Arbeit als mögliche ZdK-Präsidentin möchte sie ihre Expertise aus der Caritasarbeit einbringen. „Ich vertrete das Bild einer dienenden Kirche, die sich als Dienstleisterin am Menschen sieht“.

Unterstützung erhält Stetter-Karp vom größten katholischen Kinder- und Jugendverband und zwei katholischen Frauenverbänden. „Es wird wieder Zeit für eine Frau als Präsidentin“, forderten die Verbände gemeinsam.

Dr. Irme Stetter-Karp (links) und Prof. Dr. Dr. Ulrich Hemel (rechts) treten bei der Wahl für das Amt des Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) an. Quelle: Dt. Verein für öffentliche & private Fürsorge e.V./ Dirk Hasskarl und Daniel Hemel

Ihr Mitbewerber Ulrich Hemel sieht die größte Herausforderung für die Kirche darin, Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. „Wenn eine Institution wie die katholische Kirche in der Krise ist, muss sie sich erneuern“, macht er gegenüber dem RND deutlich. Hemel fordert eine klare Strategie, wie die Kirche auf die Herausforderungen reagieren muss. Im Fokus hat er dabei die rückläufigen Mitgliederzahlen und Kirchensteuereinnahmen.

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Die Vollversammlung entscheidet am Freitag noch über weitere Ämter. Die geschäftsführende Verteidigungs­ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) könnte Sprecherin für das Thema „nachhaltige Entwicklung und globale Verantwortung“ werden. Für den Bereich „Bildung, Kultur, Medien“ stellt sich Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) zur Wiederwahl.

Von Sven Christian Schulz /RND

Der Artikel "ZdK-Wahl: Wechsel an der Spitze des höchsten katholischen Laiengremiums in Deutschland" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.