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Politik Zapfenstreich für die Kanzlerin: ein Blick auf eine andere Angela Merkel
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16:01 02.12.2021
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird am Donnerstag am Abend mit einem Großen Zapfenstreich von der Bundeswehr aus ihrem Amt verabschiedet. An einigen dieser Zeremonien hat sie bereits als Gast teilgenommen, hier beim Zapfenstreich für den ausscheidenden Bundespräsidenten Christian Wulff im Jahr 2012.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird am Donnerstag am Abend mit einem Großen Zapfenstreich von der Bundeswehr aus ihrem Amt verabschiedet. An einigen dieser Zeremonien hat sie bereits als Gast teilgenommen, hier beim Zapfenstreich für den ausscheidenden Bundespräsidenten Christian Wulff im Jahr 2012. Quelle: Rainer Jensen/dpa
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Berlin

Angela Merkel verabschiedet sich, und sie tut das mit einer wohlüberlegten Botschaft.

16 Jahre lang hat die Bundeskanzlerin vor allem Zurückhaltung und Beherrschung nach außen getragen, perfektioniert bis zum Ruf von Inspirationslosigkeit.

Rote Rosen und Farbfilm

Beim Abschiedszeremoniell der Bundeswehr, dem Großen Zapfenstreich, lässt sie einen Blick auf die andere Angela Merkel zu: Die Hildegard-Knef-Hymne „Für mich soll‘s rote Rosen regnen“ soll das Musikkorps der Soldaten für sie spielen und Nina Hagens 70er-Jahre-Beschwerde „Du hast den Farbfilm vergessen“, ein Hit in der DDR.

Den sehr eigenen Pathos der Militärzeremonie durchbricht Merkel also durch ironische Mitsinghymnen und eine seltene Reminiszenz an ihre ostdeutsche Herkunft. Knefs zentrale Zeile „Ich will“ verweist darauf, dass diese Kanzlerin hinter der Fassade der Ungerührtheit häufig sehr zielstrebig zu Werke gegangen ist, unter Inkaufnahme von Umwegen und längeren Wartezeiten zuweilen.

Aufgebrochene Erstarrung

So hat sie einst ihren Job erlangt, so hat sie ihn auch beendet.

Merkel brach die Erstarrung der CDU nach der Regentschaft Helmut Kohls auf, indem sie forderte, die Partei müsse laufen lernen, sie schob sich an die Spitze und ließ ihre Konkurrenten im Glauben, eine Übergangskandidatin zu sein.

Sie hat einiges laufen lassen und damit versäumt, in manchen Situationen – beim Atomausstieg und in der Flüchtlingspolitik etwa – allerdings jäh und sehr klar und kompromisslos den Weg vorgegeben.

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Merkel wird bei der Zeremonie auch eine Rede halten. Da es keine anderen offiziellen staatlichen Gelegenheiten dafür gibt, wird es die Wirkung eines Vermächtnisses haben.

Ob ausgerechnet eine Militärzeremonie der richtige Rahmen dafür ist, lässt sich bezweifeln. Es wäre keine schlechte Idee, scheidenden Regierungschefinnen oder -chefs eine zivilere Möglichkeit für ihre letzten amtlichen Worte zu geben.

Von Daniela Vates/RND

Der Artikel "Zapfenstreich für die Kanzlerin: ein Blick auf eine andere Angela Merkel" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.