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Politik Wulff will Amtsvorgänger Köhler als Berater einbinden
Mehr Welt Politik Wulff will Amtsvorgänger Köhler als Berater einbinden
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09:51 29.06.2010
Christian Wulff (CDU)
Christian Wulff (CDU) Quelle: Daniel Kunzfeld
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Christian Wulff will Amtsvorgänger Horst Köhler als Berater einbinden: „Er kennt sich sehr gut aus, wenn es um Hilfe für Staaten, die Stabilisierung von Währungen und um Not- und Rettungspläne für Länder geht“, sagte Wulff in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. „Die Kompetenz von Horst Köhler ist unverzichtbar. Ich werde jeden Versuch machen, weitreichend auf diesen Fundus zurückzugreifen.“

Er schätze Köhler sehr, sagte der niedersächsische Ministerpräsident. „Er ist ein Glücksfall für Deutschland, weil er bei diesem beunruhigenden Thema der Weltwährungen und der Weltfinanzordnung kompetenter als nahezu jeder andere ist“. Köhlers Fachkompetenz werde international außerordentlich geschätzt.

Altbundespräsident Köhler hatte der „Süddeutschen Zeitung“ am Wochenende gesagt, er werde in Ruhe über die Dinge nachdenken, die er nach seinem Rücktritt tun wolle. „Aber eines kann ich versprechen:
Ich werde nicht von der politischen Bildfläche verschwinden.“

Köhler war vor gut vier Wochen zurückgetreten. Sein Nachfolger wird an diesem Mittwoch gewählt. Vor seiner Zeit als Bundespräsident hatte Köhler auch international viel Erfahrung im Finanzbereich gesammelt.

Christian Wulff wäre erst der zweite katholische Bundespräsident
Angeblich hat bei der Nominierung von Christian Wulff (CDU) zum Kandidaten für das Bundespräsidentenamt auch dessen Konfession eine Rolle gespielt: Statt mit Ursula von der Leyen eine Protestantin ins Schloss Bellevue zu befördern, hätten konservative Kräfte in der Union den Katholiken Wulff bevorzugt, wurde in Parteikreisen berichtet. Verwiesen wurde darauf, dass im Kanzleramt mit Angela Merkel (CDU) ebenfalls eine Protestantin sitzt. Sollte Wulff am 30. Juni zum zehnten Bundespräsidenten gewählt werden, hätte erst zum zweiten Mal ein Katholik das höchste Staatsamt inne.

Schon der erste Bundespräsident Theodor Heuss war evangelisch, wie auch der nun zurückgetretene Horst Köhler. Der bis heute einzige Katholik im Bundespräsidentenamt war Heinrich Lübke, der von 1959 bis zu seinem Rücktritt kurz vor Ende der zweiten Amtszeit 1969 Bundespräsident war.

Unter Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) hatte es vor der Nominierung Lübkes ein langes Gerangel gegeben, in dem die Konfession eine wichtige Rolle spielte: Zu den Befürwortern Lübkes zählten vor allem Protestanten in der CDU, die sich davon erhofften, dass nach dem Katholiken Adenauer ein Protestant Bundeskanzler werden und so der Konfessionsfriede in der CDU/CSU erhalten bleiben würde. Die CSU stimmte auf Druck von Franz Josef Strauß deshalb erst für Lübke, nachdem sie sich die Zusage ertrotzte, dass die Konfessionsfrage bei der Wahl eines Regierungschefs keine Rolle spielen darf: Ein katholischer Kanzler müsse auch unter einem katholischen Bundespräsidenten möglich sein.

Dass allerdings die Konfession des Bundespräsidenten eine nur geringe Bedeutung für dessen Art, das Amt auszufüllen, habe, sagt etwa der Politologe und Köhler-Biograph Gerd Langguth: So lägen Welten zwischen dem kargen Protestantismus des Gustav Heinemann, der Noblesse des ehemaligen Kirchentagspräsidenten Richard von Weizsäcker, dem humorigen und dennoch tiefgründigen bayerischen Lutheraner Roman Herzog und dem bibelfesten, Skat spielenden Johannes Rau.

dpa/afp