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Politik Wowereit: S-Bahn-Chaos ist Folge unverantwortlicher Privatisierungen
Mehr Welt Politik Wowereit: S-Bahn-Chaos ist Folge unverantwortlicher Privatisierungen
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16:15 08.09.2009
Nichts geht mehr: Zum wiederholten Mal ist ein Großteil der S-Bahn in Berlin ausgefallen. Quelle: ddp
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In den im Vergleich zum Normalbetrieb nur mit einem Viertel der Züge fahrenden S-Bahnen und in den Bussen und U-Bahnen drängten sich die Fahrgäste auf engstem Raum, wie die Bahn und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mitteilten. Teilweise konnten Passagiere zu den Stoßzeiten nicht mehr mitgenommen werden. Auf den Straßen in der Bundeshauptstadt blieb es dagegen vergleichsweise ruhig. Es seien zwar mehr Autos unterwegs gewesen, von einem Chaos sei Berlin aber weit entfernt gewesen, sagte eine Polizeisprecherin.
Ein Sprecher der für die S-Bahn verantwortlichen Deutschen Bahn sprach von einer „sehr schwierigen“ Situation für die Kunden. An dieser werde sich auch in den kommenden Tagen nichts ändern. Die Bahn hatte am Montagabend kurzfristig mitgeteilt, wegen neuer schwerer technischer Mängel einen Großteil der S-Bahnen nicht auf die Schienen zu lassen und vorläufig nur noch einen Notfall-Fahrplan anzubieten. Zur Behebung des Mangels sollen ab einer bestimmten Laufleistung alle Bremszylinder der S-Bahnen ausgetauscht werden.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nannte die erneuten Ausfälle einen Beleg für die negativen Folgen der Privatisierungsstrategie der früheren Bahnführung. „Mit Blick auf kurzfristige Überschüsse wurde ein unakzeptabler Verschleiß in Kauf genommen“, erklärte Wowereit. Er habe großes Verständnis für den Unmut der Fahrgäste. Wie der Bahn-Sprecher sagte, standen die Kundentelefone der Bahn am Dienstag kaum still. Die zahlreichen Anrufer hätten sich vor allem zum Notfallfahrplan erkundigt, zum Teil habe es sich aber auch um Beschwerdeanrufe gehandelt.
Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) nannte die Aussagen von Bahnvorstand Ulrich Homburg, wonach ein Wartungsfehler Ursache der Probleme sei, einen Offenbarungseid. Damit sei klar, dass es bei der S-Bahn unverantwortliche Einsparungen im Sicherheitsbereich gegeben habe. „Es ist ein Skandal, dass im Öffentlichen Verkehr auf Kosten der Sicherheit und damit auf Kosten der Kunden gespart wird“, erklärte VCD-Bahnexpertin Heidi Tischmann.
Bereits im Juli rollten die Berliner S-Bahnen nur stark eingeschränkt. Damals waren nach einem Radbruch massive Sicherheitsmängel aufgeflogen.

afp