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Politik Wolfgang Bosbach: „Vage Aussicht auf Jamaika-Koalition hält Union zusammen“
Mehr Welt Politik Wolfgang Bosbach: „Vage Aussicht auf Jamaika-Koalition hält Union zusammen“
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17:17 01.10.2021
CDU-Politiker Wolfgang Bosbach. (Archivbild)
CDU-Politiker Wolfgang Bosbach. (Archivbild) Quelle: Henning Kaiser/dpa
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Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach geht nach der Wahlniederlage bei der Bundestagswahl hart mit seiner Partei ins Gericht. „Diese Klatsche haben wir uns selber eingebrockt, und etwas mehr Demut und Selbstkritik könnten uns nicht schaden“, sagte Bosbach der „Welt“.

Die CDU müsse umfassend erneuert werden. „Nicht sofort und auch nicht holterdiepolter, aber bitte auch nicht auf die lange Bank schieben. Da liegt sowieso schon zu viel rum. Personell alleine genügt aber nicht, auch politisch, inhaltlich gibt es viel zu klären, zu konkretisieren“, sagte der CDU-Politiker.

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„Ein ganzes Bündel an Gründen“ für Wahlniederlage

Besonders kritisierte Bosbach den Wahlkampf der CDU. Es sei nicht klar geworden, wofür die Union stehe, wo die Unterschiede zur Konkurrenz liegen und was die Partei in den kommenden Jahren plane. „Ein ganzes Bündel an Gründen“ sei für die Wahlniederlage verantwortlich, insbesondere aber die Entscheidung für Armin Laschet als Kanzlerkandidaten sei fehlgeleitet gewesen.

„Eine Mehrheit der Unionsbasis hätte lieber Markus Söder als Spitzenkandidat gesehen, in der Bevölkerung sogar eine sehr deutliche.“ Er bezeichnete es als „großen Irrtum“, dass der CDU-Bundesvorstand dennoch Laschet als Kandidaten durchgesetzt habe. Dies geschah „vermutlich in der Annahme, am Ende wählt die Mehrheit ohnehin wieder die Union, unabhängig vom Spitzenkandidaten“, fügte Bosbach hinzu.

„Söder hätte sich vielleicht an der einen oder anderen Stelle anders verhalten können“

Dass nach der Wahlniederlage große Kritik am bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder und der CSU aufkam, halte Bosbach für falsch. „Markus Söder hätte sich vielleicht an der einen oder anderen Stelle anders verhalten können“, aber die Vorwürfe seien vielmehr Schuldzuweisungen.

Auch eine Mitschuld der scheidenden Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sehe Bosbach nicht. Die Union habe alle politischen Entscheidungen und Kursänderungen ihrer 16-jährigen Kanzlerschaft mitgetragen und abgesegnet.

„Laschets Zukunft hängt vom Zustandekommen einer Jamaika-Koalition ab“

Was die Zukunft Laschets als Parteichef betrifft, so hänge diese vom Zustandekommen einer Jamaika-Koalition ab. „Was der Partei aktuell noch etwas Hoffnung vermittelt und sie zusammenhält, ist die vage Aussicht auf eine Jamaika-Koalition mit einem Kanzler der Union.“

Schon kurz nach der Bundestagswahl am Sonntag hatte Bosbach scharfe Kritik am Verhalten der Parteimitglieder geäußert.

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Im Podcast „Die Wochentester“ vom RedaktionsNetzwerk Deutschland und „Kölner Stadt-Anzeiger“ sagte er in Bezug auf den Jubel auf der Wahlparty: „Also höflichen Applaus: okay, schon für den wirklich beeindruckenden Einsatz im Wahlkampf. Aber damit kann man doch nicht zufrieden sein. Dann kann man doch nicht einfach sagen, immer weiter, immer weiter.“

RND/sic

Der Artikel "Wolfgang Bosbach: „Vage Aussicht auf Jamaika-Koalition hält Union zusammen“" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.