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15:41 14.09.2009
Wissenschaftler untersuchen nach dem TV-Duell das Erscheinungsbild von Merkel und Steinmeier. Quelle: ddp
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Sehen kann er Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Frank Walter Steinmeier (SPD) dabei nicht. Denn in dem mit Computern bestückten Raum der Technischen Universität Kaiserslautern wird das TV-Duell der beiden Kontrahenten lediglich via Lautsprecher übertragen.

Schäfer war am Sonntagabend eine von insgesamt 450 Testpersonen, mit deren Hilfe Wissenschaftler mehrerer Universitäten die Reaktionen der Zuschauer auf das Rededuell analysieren. Neben der TU Kaiserslautern und der Uni Landau-Koblenz nehmen auch die Hochschulen in Mannheim, Jena und Stuttgart an der Studie teil.

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In Kaiserslautern ebenso wie in Landau konnten die Testpersonen das Duell nur hören - nicht sehen. Sie sollten sich ihre Meinung unabhängig vom äußeren Erscheinungsbild der Spitzenpolitiker bilden, erläuterte der Politikwissenschaftler Jürgen Maier von der Uni Landau-Koblenz, der für die beiden Testreihen in Rheinland-Pfalz verantwortlich ist. An der Universität in Mannheim hingegen konnten die Testpersonen das Duell auf einer Leinwand mitverfolgen und ihre Reaktionen ebenfalls per Plus- und Minus-Taste in den Computer eingeben.

Von möglichen Abweichungen zwischen den Einschätzungen von Zuhörern und Zuschauern erhoffen die Forscher sich Aufschluss darüber, inwieweit Gesten, Mimik und Aussehen die Wähler beeinflussen. „Wir wissen, dass Politiker die Körpersprache mitunter genauso gezielt einsetzen können wie ihre Worte“, erläuterte Maier.

Die insgesamt 50 Probanden in Kaiserslautern folgten größtenteils äußerst konzentriert der anderthalbstündigen Debatte. Nur als ZDF-Moderatorin Maybrit Illner das Wort „Tigerenten-Koalition“ als Chiffre für ein schwarz-gelbes Bündnis benutzte, brachen einige der Zuhörer in lautes Lachen aus. Auch die Frage, ob sich Merkel und Steinmeier eigentlich duzen, sorgte für Heiterkeit.

Abgesehen von diesen wenigen unterhaltsameren Momenten wurde die Debatte von den Zuhörern als sachlich, aber viel zu fad empfunden. „Die Unterschiede zwischen Merkel und Steinmeier sind nicht so deutlich hervorgetreten, wie es nötig gewesen wäre“, kritisierte etwa Johannes Schäfer. „Zu lasch“, lautete das Urteil der 24 Jahre alte Yvonne Rheinganz.

Alles in allem habe der Auftritt in der Tat eher wie eine „gemeinsame Pressekonferenz“ von Kanzlerin und Vizekanzler gewirkt, sagte auch Politikwissenschaftler Maier. Zugleich bescheinigte er beiden Spitzenpolitikern aber eine gute Argumentation. Dabei sah er zugleich Hinweise zur Bestätigung seiner Theorie, dass ohne die Ablenkung durch Fernsehbilder die Testpersonen konzentrierter zuhören und so gegebenenfalls auch zu objektiveren Einschätzungen des Gesagten kommen.

„Es fällt auf, dass viele Teilnehmer erst dann ein Plus oder Minus gedrückt haben, wenn der jeweilige Politiker sein Argument ausgeführt hat“, sagte Maier. Er nehme an, dass die Zuschauer schneller auf die Tasten gedrückt hätten als die Zuhörer, da die Körpersprache schon vor dem Ende eines Redebeitrags das Urteilsvermögen beeinflussen könne, erläuterte der Politikwissenschaftler. Ohne die entsprechende Mimik oder Gestik rückten dagegen die politischen Inhalte daher stärker in den Vordergrund, lautete seine These. Ob dies tatsächlich so sei, werde man aber erst wissen, wenn der Vergleich mit den anderen Testpersonen, die das Duell sehen konnten, vorliege.

ddp

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