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Politik Wie es mit der „Gorch Fock“ weitergehen soll
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19:06 30.01.2019
Der Bugspriet des in Reparatur befindlichen Segelschulschiff der Deutschen Marine, der "Gorch Fock", schaut im Dock der Elsflether Werft unter den Planen hervor. Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Berlin/Kiel

Ein Rohbau aus Stahl und knapp 70 Millionen Euro bereits bezahlter Rechnungen: Wie soll es weitergehen mit der Sanierung des Segelschulschiffs «Gorch Fock», die sich für das Verteidigungsministerium zu einer schwierigen Dauerbaustelle entwickelt hat? Eine Entscheidung ist nun gefallen, denn das Schiff soll mindestens wieder schwimmfähig werden. Ziel ist bis April. Im Dock in Bremerhaven könnte es - selbst wenn man es wollte - nicht verschrottet werden, heißt es.

Hauptauftragnehmer der Sanierung ist die Elsflether Werft AG. Inzwischen brennt in der Sky-Stiftung, der die Werft gehört, die Hütte. Erst belasteten Korruptionsvorwürfe das Verhältnis zur Marine. Diese werden inzwischen von der Staatsanwaltschaft untersucht. Das Verteidigungsministerium legte daraufhin Zahlungen auf Eis. Dann berichtete der NDR detailliert über Untreue-Vorwürfe gegen die Spitze.

Aufsichtsrat und Vorstand der Elsflether Werft entlassen

Am Mittwoch wurden Aufsichtsrat und Vorstand der Elsflether Werft mit sofortiger Wirkung abberufen, wie die beiden von der Hamburger Justizbehörde neu berufenen Vorstände mitteilten. Neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Werft ist nun der Hamburger Manager Pieter Wasmuth, neuer Werft-Vorstandschef Axel Birk. Vorrangige Aufgabe sei es, auf die Bundesmarine und das Verteidigungsministerium zuzugehen, das Sanierungskonzept zu prüfen und die Zukunft der «Gorch Fock» und der Werft auf eine verlässliche Basis zu stellen.

Die Untreue-Vorwürfe verkomplizieren die Lage für Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die selbst in der Kritik steht, allerdings Schlampereien im Umgang mit dem Traditionsschiff von ihren Vorgängern geerbt hat. Versäumnisse bei der Wartung über 20 Jahre hinweg hatte der Bundesrechnungshof Anfang Januar in einem kritischen Prüfbericht aufgelistet. Der Ministerin seien zudem «falsche oder nicht hinreichend aussagekräftige Informationen» präsentiert worden.

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Die „Gorch Fock“ soll aufs Wasser

Die Sanierung der maroden «Gorch Fock» soll nach einer Entscheidung im Verteidigungsministerium zunächst bis zur Schwimmfähigkeit fortgesetzt werden, bestätigte der CDU-Politiker Ingo Gädechens in Berlin am Rande des Verteidigungsausschusses des Bundestags. «Ich bin froh, dass wir jetzt einen Zwischenschritt machen», sagte er. «Die Arbeiten werden jetzt wieder aufgenommen, die Bullaugen werden gesetzt, Ballast wird eingebracht ins Schiff, so dass wir dann auch frei sind in der Entscheidung, ob wir mit dem Generalunternehmer weitermachen oder uns vielleicht einen anderen Generalunternehmer suchen.»

Er setze aber darauf, dass das Vertrauensverhältnis zur Elsflether Werft wieder hergestellt werden könne. Das Dock in Bremerhaven gehöre auch keiner zertifizierten Abwrackwerft, in der ein Schiff zerlegt werden könnte. «Wenn wir jetzt das Dock fluten würden ohne Ballast, würde die «Gorch Fock» in der Weser umkippen. Und damit wäre ja auch keinem geholfen», sagt Gädechens.

Aus der Opposition wird Kritik laut

Kritik kommt aus der Opposition. «Die Arbeiten an der ,Gorch Fock’ sind unverzüglich und so lange einzustellen, bis die Bestechungsvorwürfe gegen die Werft, der Vorwurf des dubiosen Finanzgebarens des Werft-Vorstandes und die massive Kostenexplosion geklärt sind», forderte FDP-Haushaltsexperte Karsten Klein. Schadenersatzansprüche gegen die Werft müssten geprüft werden. Matthias Höhn (Linke) erklärte: «Frau von der Leyen will zum dritten Mal mit dem Kopf durch die Wand und trifft in Sachen «Gorch Fock» zum dritten Mal eine teure Fehlentscheidung.»

Die Crew der «Gorch Fock» dagegen freut sich über die Entscheidung des Verteidigungsministeriums. «Ich habe die Besatzung heute Mittag gemustert, um sie zu informieren», sagte Kommandant Nils Brandt der Deutschen Presse-Agentur. «Die sind natürlich sehr erleichtert.» Denn es sei nun bereits das dritte Mal der Fall gewesen, dass die Crew um den Erhalt des Schiffes bangen musste. «Ganz ausgestanden ist das Bangen natürlich noch nicht, aber zumindest haben wir jetzt wieder deutlich mehr Hoffnung, dass es noch ein gutes Ende findet für uns.»

Für Brandt ist die Entscheidung, die Bark auf der Werft schwimmfähig machen zu lassen, «eine logische Konsequenz vor dem Hintergrund der Kosten». Für die Besatzung des Schiffs habe sich die Situation mit der Entscheidung verbessert. Sie hoffe weiterhin, «dass wir es ganz fertig bauen werden».

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Von RND/dpa

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