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Politik Weltweiter Wettlauf um den Schweinegrippe-Impfstoff
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13:15 24.07.2009
Wegen der schnellen Verbreitung des Virus erwartet die WHO, dass  praktisch jeder Mensch auf der Welt infiziert wird. Doch beim  Impfstoff seien die Produktionskapazitäten unzureichend für  6,8 Milliarden Menschen.
Wegen der schnellen Verbreitung des Virus erwartet die WHO, dass praktisch jeder Mensch auf der Welt infiziert wird. Doch beim Impfstoff seien die Produktionskapazitäten unzureichend für 6,8 Milliarden Menschen. Quelle: Jens-Ulrich Koch/ddp
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Deutschland hat 50 Millionen Impfdosen geordert. Das reicht wegen der notwendigen Doppelimpfung für 25 Millionen Menschen. Die deutschen Behörden reagierten „mit Augenmaß auf die Grippe“, sagt der Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV), Peter Wutzler. Denn Tatsache sei, „dass sich das Virus sehr schnell ausbreitet, aber in der krankmachenden Wirkung zu vernachlässigen ist“. Dass nun zwischen den Ländern ein Wettstreit um den Impfstoff entfacht worden sei, sei „sehr ungünstig“. Denn genug davon werde es ohnehin nicht geben.

WHO: Praktisch jeder Mensch wird infiziert

Wegen der schnellen Verbreitung des Virus erwartet die WHO, dass praktisch jeder Mensch auf der Welt infiziert wird. Doch beim Impfstoff seien die Produktionskapazitäten „leider unzureichend für 6,8 Milliarden Menschen“, sagt WHO-Chefin Margaret Chan. Auch wenn die Prognosen der Pharmakonzerne optimistischer sind, schätzt ihre Organisation, dass maximal 900 Millionen Dosen pro Jahr hergestellt werden können - genug für gerade mal 450 Millionen Menschen.

Die WHO empfiehlt deshalb, neben Risikogruppen primär die Beschäftigten im Gesundheitssektor und im öffentlichen Dienst zu impfen, um die Versorgung der Bevölkerung aufrechtzuerhalten. Genaue Vorgaben macht die Organisation zwar nicht, sie fordert aber, „unter den Ländern ein Gleichgewicht beim Zugang zu Impfstoffen“ anzustreben.

Regierung in Großbritannieren will alle Bürger impfen

Doch viele Regierungen sehen sich unter Handlungsdruck - auch weil in einigen Ländern die Grippe schon wesentlich stärker zuschlägt als in Deutschland. So ist Großbritannien mit 100.000 Fällen in einer Woche und 31 Toten das am stärksten betroffene Land in Europa. Englands höchster Gesundheitsbeamter, Liam Donaldson, rechnet im schlimmsten Fall gar mit 65.000 Todesopfern. Die Regierung in London will deshalb alle Bürger impfen und hat 132 Millionen Impfdosen bestellt.

Dieselbe Strategie verfolgt Australien. Auch dort ist die Lage mit 38 Toten schon deutlich brisanter als in Deutschland. In den USA mit fast 300 Toten zeichnet sich eine ähnliche Vorgehensweise ab. Aus der Reihe fällt Frankreich: Dort gibt es bisher kein einziges Totesopfer. Trotzdem hat Paris bereits 94 Millionen Impfdosen für drei Viertel der Bevölkerung bestellt und sich für den Rest eine Option gesichert.

Bundesgesundheitsministerin: Möglicherweise Wartezeiten bei Impfungen

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) fällt es angesichts des Verhaltens der Nachbarn nicht leicht, das deutsche Vorgehen zu verteidigen. Auch wenn zunächst nur ausgewählte Gruppen geimpft würden, werde niemand das Nachsehen haben, versicherte sie vergangene Woche. „Wenn jemand geimpft werden möchte, wird das auch gemacht.“ Nötigenfalls würden Impfdosen nachbestellt, das könne allerdings zu Wartezeiten führen.

Warten müssen bereits viele Schwellenländer. Südamerikanische Staaten haben offen dagegen protestiert, dass die USA, Australien und Europa den Markt für Impfstoff leerkaufen. „Nach unseren Informationen ist ein großer Teil bereits reserviert“, klagte der argentinische Gesundheitsminister Juan Manzur jüngst nach einem Treffen mit Kollegen aus der Region.

Für die ganz Armen sieht es noch schlechter aus. Wie so oft würden vorrangig Leben in den wohlhabenden Staaten gerettet, weil Entwicklungsländer sich die Medikamente nicht leisten könnten, sagt WHO-Chefin Chan. Zwei Pharmakonzerne haben für den armen Teil der Welt immerhin 150 Millionen Gratis-Impfdosen zugesichert. Das wird laut Chan aber „selbstverständlich nicht ausreichen“.

afp