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14:55 02.12.2009
Michael Egidius Luthardt
Michael Egidius Luthardt Quelle: ddp
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Der Diplom-Forstingenieur Michael Egidius Luthardt habe von 1977 bis 1980 dem Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ beim Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR angehört und möglicherweise auch danach für die Stasi gearbeitet, berichtete die „Berliner Morgenpost“ (Donnerstagausgabe) am Mittwoch vorab. Das belegten Akten der Stasi-Unterlagenbehörde in Berlin.

Eine Fraktionssprecherin bestätigte, dass Luthardt beim Wachregiment gedient hat. Das habe Luthardt 2008 bei seiner Nominierung als Kandidat für die Landtagswahl auch seinem Kreisverband Barnim mitgeteilt.

Unklar ist, ob Luthardt nach seinem Dienst beim Wachregiment mit der Stasi zusammengearbeitet hat. Er sollte noch am Mittwochnachmittag bei der Fraktionsführung Rede und Antwort stehen.

Der Zeitung zufolge hat der in diesem Jahr erstmals in den Landtag gewählte Luthardt in seiner Biografie lediglich einen Wehrdienst angeführt, einen Dienst beim Wachregiment des MfS aber verschwiegen. Nach Beendigung des Dienstes im Wachregiment sei die Kaderakte von Luthardt nicht archiviert worden. Das sei ungewöhnlich und deute laut Experten darauf hin, dass der heutige Abgeordnete weiterhin für die Stasi tätig gewesen sein könnte. Die Birthler-Behörde vermute, dass Teile der Unterlagen vernichtet worden sind.

Angehörige des Wachregiments „Feliks Dzierzynski“ mussten dem Bericht zufolge gegenüber dem MfS eine förmliche Verpflichtungserklärung abgeben. Laut Stasi-Unterlagengesetz gelten sie als hauptamtliche Stasi-Mitarbeiter. Wer beim Wachregiment diente, hatte auch eine Kaderakte, die nach Beendigung des Dienstes normalerweise geschlossen und archiviert wurde.

Auf seiner Internetseite michael-luthardt.de schreibt der Abgeordnete, er sei mit 18 Jahren „aus voller Überzeugung für den menschlichen Sozialismus“ in die SED eingetreten. Erste „Dämpfer“ habe diese Überzeugung „während des dreijährigen Wehrdienstes beim Wachregiment“ erhalten. Nach der Wende 1990 sei er aus der SED-PDS ausgetreten.

Im Herbst 2008 trat Luthardt nach eigenen Angaben erstmals für die Linke zu einer Wahl an und holte ein Mandat im Kreistag Barnim. Sein Landtagsmandat gewann er im September direkt. Der Forstwissenschaftler hatte Anfang der 90er Jahre das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin mit aufgebaut und war bis Mitte 2009 Referatsleiter Waldökologie im Umweltministerium.

ddp

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