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08:16 08.02.2021
Unpassierbare Autobahn am Dreieck Salzgitter in Niedersachsen: Was Virologen, Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin nicht vermocht haben, erledigt gerade das Wetter. Die Menschen bleiben zu Hause.
Unpassierbare Autobahn am Dreieck Salzgitter in Niedersachsen: Was Virologen, Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin nicht vermocht haben, erledigt gerade das Wetter. Die Menschen bleiben zu Hause. Quelle: imago images/Die Videomanufaktur
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Berlin

An schlechten Nachrichten herrscht im noch jungen Jahr 2021 wahrlich kein Mangel: Impfstoffknappheit, Dauerlockdown, Virusmutationen – und jetzt erleben große Teile Deutschlands einen Wintereinbruch, wie es ihn seit Jahren nicht mehr gegeben hat. Bis zu 30 Zentimeter Neuschnee, starker Wind, meterhohe Verwehungen und klirrende Kälte – Tief „Tristan“ hat dem norddeutschen Tiefland über Nacht geradezu alpine Verhältnisse beschert.

Nun sind starke Wintereinbrüche an sich noch nichts Besonderes, die hat es auch in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten immer wieder gegeben. 2005 brachten Schnee und Eismassen am ersten Adventswochenende mehrere Strommasten im Münsterland zum Einsturz, eine Viertelmillion Menschen war mehrere Tage ohne Strom. Im Jahrhundertwinter 1978/1979 legten Schneestürme in Nord- und Ostdeutschland das öffentliche Leben gleich mehrfach lahm.

Das Problem ist die Häufung der Unwetter in den letzten Jahren, die unabhängig von Frühling, Sommer, Herbst oder Winter zu beobachten sind. Immer häufiger herrscht Extremwetter. Es ist zu trocken, zu nass, zu windig, zu warm – oder wie jetzt eben zu kalt. Selbst in der sogenannten gemäßigten Klimazone, die das Leben in unseren Breiten so lebenswert gestaltet, macht sich immer häufiger Maßlosigkeit breit – die Erderwärmung lässt grüßen.

Treffen sich zwei Krisen: Klima und Corona

Wir erleben gerade unmittelbar die Auswirkungen der beiden größten Krisen unserer Zeit: der Corona-Krise auf der einen und der Klimakrise auf der anderen Seite.

Zufall oder nicht – es ist eine kaum zu leugnende Parallele, dass das wichtigste Mittel zur Bekämpfung beider Krisen der Verzicht ist. Und zwar bedauerlicherweise der Verzicht auf Dinge, die uns lieb und teuer sind. Um die Ausbreitung der Pandemie zu verlangsamen, müssen wir – wo immer es nur geht – auf Kontakte zu anderen Menschen verzichten. Für soziale Wesen, wie die meisten Menschen es nun mal sind, gibt es kaum etwas Schmerzhafteres.

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Und um die Erderwärmung zu verlangsamen, muss der globale CO₂-Ausstoß runter. Auch das tut weh, denn das Wirtschaftswachstum der vergangenen 200 Jahre und damit unser aller Wohlstand basiert zu großen Teilen auf der Ausbeutung der Ressourcen des Planeten und der Verfeuerung fossiler Energieträger. Das werden wir in den kommenden Jahrzehnten radikal beenden müssen, wenn die Erde auch weiterhin ein lebenswerter Ort bleiben soll.

Einen Impfstoff gegen die Klimakrise gibt es noch nicht

Bei der Corona-Krise haben wir das große Glück, dass es ein Gegenmittel gibt, das noch besser als der Verzicht wirkt: der Impfstoff. Wenn große Teile der Bevölkerung gegen das Virus immun sind, ist die Pandemie ausgestanden. Mit Glück wird das bereits im Herbst der Fall sein, wenn die Impfkampagne endlich Fahrt aufnimmt und das Virus keine Resistenzen gegen die Impfstoffe entwickelt.

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Die Klimakrise hingegen wird die Menschheit noch Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte beschäftigen – auch weil derzeit kein anderes Heilmittel als der Verzicht in Sicht ist. Zwar arbeiten Wissenschaftler und Ingenieure auf der ganzen Welt an klimaschonenden Technologien, ein Schlüssel zur Lösung aller Probleme, vergleichbar dem Impfstoff bei Corona, gibt es aber nicht. Genauso wie wir unser Leben zur Bekämpfung der Corona-Pandemie umgestellt haben, werden wir es zur Bekämpfung der Klimakrise umstellen müssen. Auch das wird ein langer und mühsamer Weg.

Einstweilen hilft die eine Krise bei der Bekämpfung der anderen. Denn was Virologen, Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin nicht vermocht haben, erledigt gerade das Wetter. Die Menschen bleiben zu Hause. So gesehen steckt in dem Winterchaos sogar eine kleine Chance.

Von Andreas Niesmann/RND

Der Artikel "Was Klima- und Corona-Krise gemeinsam haben" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.