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Politik Warum der Russland-Afrika-Gipfel für Moskau so wichtig ist
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18:31 24.10.2019
Cyril Ramaphosa (4. v. l), Präsident von Südafrika, trifft sich mit Wladimir Putin (2. v. r), Präsident von Russland, während des ersten Afrika-Russland-Gipfels in Sotschi. Quelle: -/Kremlin/dpa
Johannesburg

Am Flughafen von Sotschi warten junge Frauen in Kosakentracht auf die Flut afrikanischer Besucher, kredenzen ihnen Brot und Salz. Russische Olympioniken der Eiskunst werden für sie tanzen, sie können Bungee springen oder Stalins Villa besuchen, zur Kräftigung wird ein Festival russischer Nationalspeisen gereicht. Russland begrüßt Afrika mit „maximalen Pomp“, meldet die Zeitung „Kommersant“.

42 Präsidenten und fünf Premierminister empfängt Wladimir Putin zum ersten Russland-Afrika-Gipfel am Schwarzen Meer. „Beispiellos“, schwärmt die „Komsomolskaja Prawda“: „Nur, um jedem die Hand zu schütteln und ein paar Worte zu wechseln, wird Wladimir Putin über eine Stunde brauchen.“ Der Staatschef hält Hof wie noch nie.

Es ist eine Veranstaltung mit über 10.000 Teilnehmern, zum Großteil afrikanische und russische Geschäftsleute. Neben Putin sitzt dem Massenauftrieb Abdel Fatah El-Sisi vor, der derzeitige Präsident der Afrikanischen Union und Staatschef Ägyptens, Russlands größtem Handelspartner auf dem Erdteil. „Afrika wird immer mehr zum Kontinent der Möglichkeiten“, schwärmte Putin gegenüber der Nachrichtenagentur TASS: „Es besitzt riesige Rohstoffreserven und eine enorme wirtschaftliche Anziehungskraft.“

Moskau liefert mehr als ein Drittel aller in Afrika verwendeter Waffen

Niemand macht einen Hehl daraus, dass Russland mit seiner erneuten Zuwendung zur südlichen Erdhälfte vor allem Geld verdienen möchte. Und dass es dabei viel aufzuholen hat. 2018 betrug Russlands Handelsvolumen mit Afrika gut 20 Milliarden Dollar – etwa ein Drittel des US-afrikanischen Handels. China kommt bereits auf fast 150 Milliarden, die EU auf über 300. Russlands Rohstoffwirtschaft ist vor allem an afrikanischen Öl-, Gas- oder Diamantenvorkommen interessiert – ansonsten ist Russland nur in wenigen Branchen konkurrenzfähig: Rüstung, Kernkraft, Infrastruktur.

Schon heute liefert Moskau mehr als ein Drittel aller in Afrika verwendeter Waffen: Sie gelten als verlässlich, billig und einfach zu handhaben. Nach Angaben des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri verkaufte Russland in den vergangenen fünf Jahren Kriegsgerät im Wert von fast 800 Millionen Dollar an die Länder südlich der Sahara. Für ganz Afrika liegt der Wert bei 2,36 Milliarden Dollar. Kaum weniger besorgniserregend sind die Aktivitäten russischer Söldner in Afrika. Die von Wladimir Putins einstigem „Chefkoch“ Yevgeni Prigozhin geführte „Wagner-Gruppe“ ist erwiesenermaßen in den Trümmerländern der Zentralafrikanischen Republik und Libyen unterwegs.

Hier kämpft sie auf der Seite des libyschen Generals Khalifa Haftar gegen eine von der UN anerkannte Regierung – dort stützt sie den schwächelnden Präsidenten Faustin-Archange Touadéra, dem sogar ein russischer Sicherheitsberater zur Seite steht. Ex-Restaurantbesitzer Prigozhin sucht in der Hauptstadt Bangui den martialischen Ruf seiner Söldner aufzupolieren: Er veranstaltet Schönheitswettbewerbe und lässt Comics verteilen, in denen ein russischer Bär durch die Welt rast, um in Not geratenen Menschen zu helfen.

China will im kommenden Jahr 60 Milliarden US-Dollar in Afrika investieren

Auch in Mosambik sollen mindestens 200 russische Söldner mit Helikoptern und Panzerwagen stationiert sein, um die im Norden des Landes entdeckten Erdgasfelder vor „terroristischen“ Angriffen zu schützen. Für seinen Einsatz wird Moskau mit lukrativen Explorationsverträgen entschädigt: Im Gegenzug können die uniformierten Bären auch der seit über 50 Jahren moskautreuen Regierungspartei Frelimo zur Seite stehen, falls ihr die jüngsten, offenbar schwer manipulierten Wahlen um die Ohren fliegen sollten.

Selbstverständlich wird in Sotschi auf die nur friedlichen Absichten Russlands verwiesen: auf die Expertise beim Bau von Eisenbahnlinien und Straßen, von „umweltfreundlichen“ Minen – und von Atomkraftwerken. Außer mit Ägypten, wo Rosatom derzeit für fast 30 Milliarden Dollar ein Atomkraftwerk errichtet, hat der russische Konzern auch schon mit Nigeria, Uganda, Ruanda sowie Ghana Vorverträge abgeschlossen. In Südafrika flogen dem Konzern allerdings schon bei der Planung die insgesamt acht Meiler im Gegenwert von 75 Milliarden Dollar um die Ohren: Die mit dem korrupten Ex-Präsidenten Jacob Zuma getroffene Vereinbarung wurde von Südafrikas neuer Regierung sogleich wieder gecancelt.

Keine guten Voraussetzungen für die russische Aufholjagd. China will im kommenden Jahr 60 Milliarden US-Dollar in Afrika investieren, die EU über 40 Milliarden. Auch der pompöse Russland-Afrika-Gipfel ist nicht einzigartig: Sowohl die EU als auch China veranstalten etwas Ähnliches alle drei Jahre. Beim jüngsten afrikanisch-chinesischen Forum wurden 150 Vereinbarungen unterzeichnet. Und in Sotschi? „Mal abwarten“, sagt der Petersburger Afrikanist Jegwgeni Selenjew: „Bei einem Ball weiß man ja auch erst hinterher, welche neuen Paare zusammengekommen sind.“

Von Johannes Dieterich, Stefan Scholl/RND

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