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Politik Viren-Experte kritisiert „Wettstreit“ von Staaten beim Impfstoffkauf
Mehr Welt Politik Viren-Experte kritisiert „Wettstreit“ von Staaten beim Impfstoffkauf
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09:55 24.07.2009
Deutschland deckt mit seiner Impfstoffbestellung rund 30 Prozent der Bürger ab. Quelle: Foto: Rainer Surrey
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„Dass ein Wettstreit entfacht wird, halte ich für sehr ungünstig“, sagte der Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV), Peter Wutzler, der Nachrichtenagentur AFP. Aus heutiger Sicht gebe es „keine Veranlassung, in Hysterie zu verfallen“. Der von einigen Ländern angefachte Wettlauf um den knappen Impfstoff sei im Kampf gegen die Grippe nicht hilfreich. Die Pharmakonzerne könnten ohnehin „nicht die ganze Welt versorgen, dazu gibt es nicht die Kapazität“.

Länder wie Großbritannien, Frankreich und Australien haben bei Pharmaherstellern bereits Impfstoff für praktisch ihre gesamte Bevölkerung bestellt. Deutschland hat dagegen vorerst nur Impfstoff für 25 Millionen Menschen geordert, um nach den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO vorrangig das Personal im Gesundheitssektor, im öffentlichen Dienst und Risikogruppen zu impfen.

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„Ich finde, dass Deutschland mit Augenmaß auf die Grippe reagiert“, sagte Wutzler, der am Institut für Virologie und Antivirale Therapie der Universität Jena tätig ist. „Fakt ist, dass sich das Virus sehr schnell ausbreitet, aber in der krankmachenden Wirkung zu vernachlässigen ist.“ Heute gehe es noch um den Kampf gegen „eine harmlose Infektion“. Natürlich bestehe die Gefahr, dass das Virus mutiere und gefährlicher werde. Dafür gebe es aber bisher keine Anzeichen.

Deutschland decke mit seiner Bestellung rund 30 Prozent der Bürger ab, sagte Wutzler. Nach dem deutschen Pandemieplan würden damit sieben Millionen Menschen im Gesundheitswesen und sieben Millionen Beschäftigten im Öffentlichen Dienst geimpft, die zur Aufrechterhaltung der Versorgung der Bürger notwendig seien. „In den 30 Prozent wären auch besonders gefährdete Gruppen wie Schwangere, Kinder und Risikopatienten enthalten.“ Der deutsche Pandemieplan sehe zudem vor, mehr Impfstoff zu bestellen, falls sich die Lage verschlechtere.

AFP