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Politik Versöhnlicher Abschluss der Nahost-Reise des Papstes
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15:27 15.05.2009
Papst Benedikt XVI.
Papst Benedikt XVI. Quelle: Doron Horovitz/ddp
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Als bei einem interreligiösen Treffen in Nazareth ein Rabbi ein Friedenslied anstimmte, ergriff der Papst die Hände der neben ihm Sitzenden und stand auf: Hand in Hand mit einem Rabbi und einem muslimischen Scheich stimmte er mit ein. Zusammen mit seiner leidenschaftlichen Abschiedsrede am Freitag auf dem Flughafen von Tel Aviv sorgte dieses Bild für einen sehr versöhnlichen Abschluss der Reise.

„Salam, Shalom, Herr gib uns Deinen Frieden“, sang Rabbi Alon Goshen-Gottstein immer wieder - auf Englisch, auf Lateinisch, auf Deutsch. Alle im Saal - Christen, Juden, Muslime und Drusen - folgten dem Beispiel des Papstes und fassten sich ebenfalls an den Händen. Mit einem Lächeln im Gesicht bewegte der Papst seine Lippen zu diesem gesungenen Friedensgebet.

Der Vatikan wollte sich später auf die Frage, ob Benedikt damit erstmals mit Angehörigen anderer Religionen gebetet habe, nicht festlegen: „Ich würde sagen, dass der Rabbi eine geniale und kreative Idee hatte, denn niemand kann etwas dagegen einwenden, gemeinsam ’Dona nobis pacem’ zu singen“, lautete die salomonische Antwort von Vatikan-Sprecher Federico Lombardi an die mitgereisten Journalisten.

Mit seiner spontanen Geste trat Benedikt XVI. jedenfalls endlich aus dem langen Schatten seines Vorgängers heraus - eines Schattens, der ihn in Israel stets begleitet hatte: Immer wieder wurde Benedikt in diesen Tagen an der Israel-Reise von Johannes Paul II. vor neun Jahren gemessen. „Es war sicher die Stärke von Papst Johannes Paul II., besondere Akzente und Zeichen zu setzen“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, dazu im ddp-Interview. „Man darf seinen Nachfolger nicht stets daran messen und muss es ihm überlassen, dass er seine eigenen Schwerpunkte setzt.“

Noch wichtiger als die Geste von Nazareth dürften für eine abschließende Würdigung der Reise aber die Abschiedsworte des Papstes auf dem Flughafen von Tel Aviv am Freitag sein. Darin sprach das Kirchenoberhaupt noch einmal alle Punkte an, die seine Reise ausgemacht hatten: „fruchtbare“ Gespräche mit israelischen und palästinensischen Politikern, Begegnungen mit den Spitzenvertretern der katholischen Kirche, der anderen christlichen Kirchen sowie der anderen Religionen im Heiligen Land.

Vor allem aber kam er noch einmal auf seinen Besuch in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem zu sprechen. Die Kritik an seiner Rede dort hatte die Friedensbotschaft dieser Reise zeitweise in den Hintergrund treten lassen. Bei der Abschiedszeremonie ließ Benedikt wie schon bei seiner Ankunft in Israel keinen Zweifel an seiner Haltung aufkommen. Er verwies auch auf seinen Besuch im KZ Auschwitz vor einigen Jahren, in dem so viele Juden „brutal ausgerottet“ worden seien. Und er sprach auch von den Tätern, jenem „gottlosen Regime, das eine Ideologie des Antisemitismus und des Hasses predigte“.

Seine eigene Nationalität thematisierte er - anders als von vielen gefordert - aber auch dieses Mal nicht. „Er sah seine Reise nicht primär als die eines deutschen Papstes“, sagte Zollitsch dazu. „Ihm war es wichtig, als Friedensbote und als Bote des Evangeliums in das Heilige Land zu kommen.“ Und genau das machte Benedikt auch zum Abschied noch einmal deutlich. Er bezeichnete Christen und Juden als „Brüder“, die sich trotz aller Spannungen der Vergangenheit nun dem Bau von Brücken verpflichtet hätten.

Er betonte das Recht der Israelis wie auch der Palästinenser auf einen eigenen Staat und appellierte eindringlich an alle Menschen in der Region: „Nie wieder Blutvergießen! Nie wieder Kämpfe! Nie wieder Terrorismus! Nie wieder Krieg!“ Und er schloss seine Reise mit dem israelischen Friedensgruß: „Shalom!“

ddp