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Politik VDMA kritisiert Bachelorabschlüsse, sieht aber auch Chancen
Mehr Welt Politik VDMA kritisiert Bachelorabschlüsse, sieht aber auch Chancen
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08:04 16.12.2009
Von Daniel Alexander Schacht
Quelle: ddp
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Die Maschinenbau-Industrie steckt noch in der Krise, und doch fehlt es an qualifiziertem Nachwuchs. Schafft die Bologna-Reform Abhilfe?

Bislang nicht. Die Bachelor-Einführung hat den Studienabbruch verschärft. Fast jeder Zweite erreicht keinen Abschluss im Maschinenbaustudium. Für eine selbst ernannte Bildungsrepublik ist das ein Armutszeugnis. Aber bei aller Kritik bin ich immer noch davon überzeugt: Die Bologna-Reform bietet große Chancen, wenn sie denn nur endlich vernünftig umgesetzt wird.

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Was bedeutet es für die Branche, dass fast zwei Drittel der Studienabbrecher im Maschinenbau schon in den beiden ersten Semestern aufstecken?

Das ist fatal, übrigens nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für den klammen Staat und die jungen Menschen. Gerade am Anfang verlieren wir einfach zu viele junge Menschen, die wahrscheinlich doch noch gute Ingenieure geworden wären. Wissen und Kompetenzen sind bei den Studienanfängern heterogener geworden. Das ist dann sicher eine Frage von individueller Förderung und damit auch von finanziellen Ressourcen. Hier muss die Politik viel stärker in die Verantwortung. Aber auch einigen Professoren sei gesagt: Das frühe Rausprüfen ist kein Wert an sich, sehr wohl aber das Motivieren und Fördern von jungen Menschen.

Würden Sie Ihren Verbandsmitgliedern unter diesen Bedingungen Bachelorabsolventen empfehlen? Ist das Ziel eines direkt berufsqualifizierenden Bachelors also realistisch – oder ist erst ein Master hinreichend qualifiziert?

Natürlich ist der berufsqualifizierende Bachelor realistisch und längst gängige Praxis: Die Unternehmen setzen auch auf solche Absolventen. Aber wir fordern für den Bachelor mindestens sieben Semester, auch an den Fachhochschulen. Mit weniger Zeit bekommen sie nur schwer eine wertige Ausbildung hin. Qualität muss vor Schnelligkeit gehen!

Die Wissenschaftsminister haben gerade ein paar Reformen an den Bachelorstudiengängen – weniger Prüfungen, weniger „workload“ – vorgenommen. Reicht das, um eine höhere Zahl gut qualifizierter Absolventen hervorzubringen?

Die Politik hat die Zeichen der Zeit endlich erkannt – besser spät als nie. Aber das reicht nicht. Unser Bildungssystem hat viele Bruchstellen. Nehmen Sie den zweiten Bildungsweg: Studienanfänger, die aus dem Beruf kommen, haben ein höheres Abbruchrisiko. Dabei muss doch die Durchlässigkeit nach oben, nicht nach unten, unser Ziel sein! Spät- und Quereinsteiger brauchen gezielte Hilfestellungen beim Studieneinstieg und auch eine didaktisch viel bessere Lehre.

Bund und Länder sollen beim „Bildungsgipfel“ Milliarden für Bildung mobilisieren. Ein sinnvolles Vorhaben oder nur ein Kuhhandel zur Durchsetzung des Steuersenkungspakets?

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ich denke das jedenfalls bei zusätzlichen Milliarden für die Bildung nicht. Die Bildungsrepublik Deutschland ist zu Recht der politische Anspruch, die Bildungsnotstandsrepublik im Maschinenbaustudium aber zu oft noch die traurige Realität. Für mehr Investitionen in mehr Qualität in der Bildung wird es allerhöchste Zeit.
Interview: Daniel Alexander Schacht