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Mehr Welt Politik Uni Düsseldorf eröffnet Plagiatsverfahren gegen Annette Schavan
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08:37 23.01.2013
Bundesbildungsministerin Annette Schavan muss um ihren Doktortitel fürchten. Quelle: dpa
Düsseldorf

Fünfeinhalb Stunden berieten die 15 stimmberechtigten Mitglieder des Rates der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf. Das Ergebnis der geheimen Abstimmung fiel klarer aus, als man nach dem ganzen Druck, der in den vergangenen Tagen auf die Universität ausgeübt worden war, erwarten konnte: Mit 14 Ja-Stimmen und einer Enthaltung beschloss der Fakultätsrat in der Plagiatsäffäre Annette Schavan die Einleitung eines Verfahrens zum Entzug ihres Doktortitels - wie dies zuvor bereits einstimmig die Promotionskommission empfohlen hatte.

„Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass das Verfahren ergebnisoffen ist“, versicherte der Ratsvorsitzende, Professor Bruno Bleckmann, vor den wartenden Journalisten nach Ende der Sitzung. Der CDU-Bundesbildungsministerin bleibt also auch nach Eröffnung des Verfahrens immer noch die Hoffnung auf einen gütigen Ausgang. Gleichwohl ist das schwebende Verfahren im nahenden Bundestagswahlkampf eine schwere Hypothek.

Der Raum, in dem der Fakultätsrat zuvor getagt hatte, blieb geheim. Auf dem weitläufigen Hochschulcampus war die Sitzung vor Journalisten und Kameras großräumig abgeschirmt worden.

Seit im April vergangenen Jahres im Internet anonyme Plagiatsvorwürfe gegen Schavan aufgetaucht waren, wollte die Debatte um ihre 1980 in Düsseldorf eingereichte Dissertationsschrift zum Thema „Person und Gewissen“ kein Ende nehmen. An 60 bis 70 Stellen der Arbeit wollen Plagiatsjäger nicht sauber ausgewiesene Quellen entdeckt oder Verstöße gegen wissenschaftliche Standards ausgemacht haben. Die Dissertation der damals 25-jährigen Studentin Schavan wurde mit der Note „magna cum laude“ (sehr gut) bewertet. Es ist Schavans einziger Studienabschluss.

Sollte es tatsächlich zum Entzug ihres Doktortitels kommen, wäre Schavan als Bildungs- und Forschungsministerin nicht mehr tragbar. Aber allein das Verfahren kann sich sehr lange hinziehen. Einige, wie der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Bernhard Kempen, sagen bereits heute, dass schon das Verfahren selbst dem Amt des Bundesbildungsministers nicht gut tue - und Schavan über mögliche Konsequenzen nachdenken müsse. Ähnliche Stimmen gab es zuvor auch schon aus der Koalition.

Ein Blick in den Terminkalender der Ministerin offenbart die Brisanz. An diesem Mittwoch steht für 16 Uhr ein Seminar der Honorarprofessorin Dr. Schavan in der FU Berlin auf dem Plan - und am Abend ein Essen mit den Mitgliedern des Wissenschaftsrates - zusammen mit der Bundeskanzlerin.

Doch nicht nur für Schavan, auch für die Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität könnte die Entscheidung folgenschwer werden. Die Uni steht unter einem immensen Druck in dem Prüfverfahren. Die Hochschule muss ihren Ruf verteidigen, seit eine interne Voruntersuchung des Chefs der Promotionskommission und Judaistik-Professors Stefan Rohrbacher in Medien lanciert wurde. Kritisiert wird auch die Länge des Verfahrens und dass bisher nur ein Gutachter die Arbeit geprüft hat. Auch die fachliche Eignung Rohrbachers, der kein Erziehungswissenschaftler ist, wurde in Zweifel gezogen. Die Universität hält mit einem Rechtsgutachten dagegen, das ihr bescheinigt, bei dem Prüfverfahren einwandfrei gearbeitet zu haben.

Kürzlich beim Neujahrsempfang der Universität sprach Rektor Michael Piper den Fall Schavan vor 700 Gästen öffentlich an. „Wir sind es uns und unseren 23 000 Studierenden schuldig, dass wir gegenüber einer ehemaligen Studentin, die heute Ministerin ist, keine anderen Maßstäbe anlegen als gegenüber jedem Einzelnen von Ihnen!“.

Die Debatte um Schavans Doktorarbeit spaltet inzwischen die Wissenschaft. Als völlig ungewöhnlich gilt das Vorgehen der Allianz der Wissenschaftsorganisationen, die sich am Wochenende überraschend einmischten und deutliche Kritik am Vorgehen der Uni übten. In der Allianz arbeiten die großen Forschungsorganisationen zusammen, die Milliarden vom Bund erhalten, aber auch die Rektorenkonferenz und der Wissenschaftsrat.

Die Stellungnahme wird von Außenstehenden als Parteinahme der Allianz pro Schavan verstanden. Der Berliner Jura-Prof Gerhard Dannemann verwies im Deutschlandfunk darauf, dass bislang noch keinem Beschuldigten in einem Plagiatsverfahren solch prominente und hochkarätige Unterstützung widerfahren sei wie Schavan.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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