Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Unerträgliche Vergleiche bei Corona-Protesten: Naziopfer werden verhöhnt
Mehr Welt Politik Unerträgliche Vergleiche bei Corona-Protesten: Naziopfer werden verhöhnt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:40 22.11.2020
Teilnehmer einer Demonstration der Initiative Querdenken in Hannover. Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Anzeige
Berlin

Jana aus Kassel, „seit Monaten aktiv im Widerstand“, fühlt sich also wie Sophie Scholl. Eine elfjährige aus Pforzheim vergleicht sich mit Anne Frank, weil die Gäste bei ihrer Geburtstagsparty aus Angst vor einer Anzeige der Nachbarn hätten leise sein müssen. Die Corona-Demonstranten am vergangenen Mittwoch nennen das reformierte Infektionsschutzgesetz ein „Ermächtigungsgesetz“, und die Protestler Anfang November in Leipzig fühlen sich wie die Teilnehmer der Montagsdemos gegen das DDR-Regime 1989.

Die Methode hat offensichtlich System. Kein Vergleich ist diesen Menschen zu absurd, um den ihrer Ansicht nach heldenhaften Kampf gegen die angebliche Corona-Diktatur Merkels in hellstem Licht erscheinen zu lassen. Dabei verbieten sich gerade die Vergleiche mit den Opfern der Naziherrschaft. Sie sind unerträglich, weil sie die Geschichte in einem bisher unbekannten Maße verdrehen und die Ermordeten damit verhöhnen.

Anzeige

Sophie Scholl wusste, dass sie mit ihren Flugblattaktionen Gefahr läuft, unter dem Fallbeil zu enden. Sie hat dennoch den unvorstellbaren Mut aufgebracht, ihre Mitmenschen aufzurütteln. Und Jana aus Kassel? Die 22-Jährige bekommt allenfalls ein Knöllchen, falls sie bei der Fahrt zu einer Querdenker-Demo zu schnell gefahren sein sollte.

Mehr zum Thema

Spahn schlägt neues Konzept für Eindämmung von Corona-Infektionen in Schulen vor

Corona: Günther für einheitliche, aber infektionsabhängige Maßnahmen in Ländern

Umfrage: Jeder Zweite hat Angst vor Krankheit und Einsamkeit an Weihnachten

Es ist das gut Recht eines Jeden, die Corona-Politik mit ihren massiven Grundrechtseinschränkungen infrage zu stellen und dagegen zu protestieren. Aber merken diese Menschen nicht, dass sie sich mit ihren pietätlosen Vergleichen auch selbst schaden? Dass sie damit Rechtsextremen Vorschub leisten, für die der Streit über den richtigen Umgang mit der Pandemie nur Mittel zum Zweck ist, ihre Ideologie zu verbreiten?

Wenn Corona-Protestler wollen, dass man sie ernst nimmt, dann sollten sie schnellstmöglich hinterfragen, mit wem sie sich da gemeinmachen.

Von Tim Szent-Ivanyi/RND

Der Artikel "Unerträgliche Vergleiche bei Corona-Protesten: Naziopfer werden verhöhnt" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.