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Politik Unbekannte legen Feuer in Grotelüschens Putenbrüterei
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23:00 22.08.2010
Die Putenbrüterei Grotelüschen in Ahlhorn. Quelle: ap
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Die Brüterei gehört dem Ehemann von Niedersachsens Agrarministerin Astrid Grotelüschen. Die CDU-Politikerin ist seit Tagen heftiger Kritik ausgesetzt, weil zwei Mästern in Mecklenburg-Vorpommern, die ihre Küken aus Ahlhorn beziehen, Tierquälerei vorgeworfen wird. Die Familie Grotelü­schen erhält seit Kurzem Polizeischutz, jetzt wurden die Schutzmaßnahmen verstärkt. Vor dem Brandanschlag hatte es bereits eine Morddrohung gegeben.
Die Ministerin sprach gegenüber dieser Zeitung von einem gezielten Anschlag: „Man versucht, meinem Mann die wirtschaftliche Existenz zu verbrennen.“ Ihr Sprecher Gert Hahne ergänzte: „50.000 Küken hätten sterben können.“ Damit wäre die gesamte Produktion der Familie Grotelüschen zerstört worden.

Der Wachmann hatte in der Nacht zum Sonnabend eine brennende Papiermülltonne entdeckt. Diese habe neben drei Stromkästen gestanden, die für die Hauptstromversorgung der Brüterei verantwortlich sind, sagte eine Polizeisprecherin am Sonntag. Konkrete Hinweise auf die Brandstifter lägen noch nicht vor. Es sei kein Bekennerschreiben hinterlassen worden. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagte eine Sprecherin. Unklar ist, ob die Papiertonne gezielt in die Nähe der Stromkästen geschoben wurde, damit die Flammen auf die Stallgebäude übergreifen.

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Die Tierschutzorganisation Peta, die die Affäre um die Putenmast ins Rollen gebracht hatte, wies jegliche Beteiligung an dem Brandanschlag von sich.

SPD-Fraktionschef Stefan Schostok erklärte, zu Regierungszeiten der SPD seien auch führende SPD-Politiker ähnlichen Angriffen ausgesetzt gewesen: „So etwas ist immer verabscheuungswürdig“. Christian Meyer von den Grünen forderte eine „sachliche Auseinandersetzung um die Massentierhaltung“. Auch er verurteilte den Anschlag. Marianne König (Linke) sagte, sie lehne jede Form der Gewalt ab. Der Vorfall müsse gründlich aufgeklärt werden. CDU-Generalsekretär Ulf Thiele betonte, der Anschlag zeige, was eine Politiker-Hatz, wie sie ohne stichhaltige Gründe gegen Grotelüschen betrieben werde, anrichten könne.

Bereits Ende Juli war ein leerer Hähnchenmaststall in Sprötze (Kreis Harburg) angesteckt worden. Trotz einer Belohnung von 25.000 Euro gibt es derzeit keinen Hinweis auf die Täter.

Saskia Döhner und Karl Doeleke

Gabi Stief 22.08.2010