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Politik Überhöhte Preise bei Stromriesen: FDP für Rückerstattung
Mehr Welt Politik Überhöhte Preise bei Stromriesen: FDP für Rückerstattung
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08:09 04.08.2010
Von Michael Grüter
Zu viel oder zu wenig Wettbewerb? Die Stromkonzerne stehen in der Kritik. Quelle: dpa
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Die Stromerzeuger stellen den Verbrauchern nach einem von den Grünen vorgelegten Gutachten eine Milliarde Euro im Jahr zu viel in Rechnung. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) wies den Vorwurf der Abzocke aber zurück. Im „harten Wettbewerb“ auf dem Strommarkt könne es sich „keiner erlauben, überhöhte Preise zu verlangen“, sagte Geschäftsführerin Hildegard Müller.

Politiker auch aus den Koalitionsfraktionen im Bundestag sind dagegen hellhörig geworden. Der Verbraucherausschuss werde sich im September mit der Strompreisentwicklung befassen, kündigte der Ausschussvorsitzende Hans-Michael Goldmann (FDP) gegenüber der HAZ an. Er hielt den Unternehmen „mangelnde Transparenz in der Preisgestaltung vor“ und setzte sich dafür ein, „den Anbieterwechsel für Kunden zu erleichtern“.

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„Von einem harten Wettbewerb kann auf dem Strommarkt keine Rede sein“, bemängelte Goldmann. „Wenn die Energieversorgungsunternehmen etwas gemacht haben, was nicht in Ordnung ist, und dazu Monopolstrukturen genutzt haben, muss es eine Rückerstattung an die Bürger geben“, erklärte der FDP-Politiker. Die Energieversorgungsunternehmen müssten zu den Vorwürfen detailliert Stellung beziehen.

Das Gutachten verweist darauf, dass seit Anfang 2008 die Strompreise für Privatkunden um über sieben Prozent gestiegen seien, während sich Gewerbe- und Industriekunden über Preissenkungen freuen konnten. Im gleichen Zeitraum seien die Preise an der Leipziger Strombörse um 30 bis 40 Prozent gefallen. Dass die Strompreise in Deutschland „mehr als viermal so stark gestiegen sind wie im europäischen Vergleich“, wertete der Experte Gunnar Harms als Hinweis, „dass es mit dem Wettbewerb hierzulande nicht gut bestellt ist“.

Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn forderte die Stromanbieter auf, die gefallenen Einkaufspreise an die Kunden weiterzugeben. Die Wechselbereitschaft der Verbraucher sei offenbar noch nicht groß genug, „sonst würde die Weitergabe von Preissenkungen besser funktionieren“.

Der BDEW macht wenig Hoffnungen auf Preissenkungen. „Wir rechnen in der Tendenz mit weiter steigenden Preisen“, sagte Müller. Der Strompreis hänge nicht nur von den Beschaffungskosten ab. Die Preise würden auch durch leicht gestiegene Netzentgelte sowie Steuern und Abgaben belastet. Den Großteil des Stroms, der an Privatkunden verkauft werde, beschafften sich die Unternehmen „bis zu drei Jahre“ im Voraus, erklärte der Verband. Deshalb sei der starke Preisrückgang im Großhandel im Jahr 2008 noch nicht bei den Endkunden angekommen.

Die Studie zieht aus den Daten jedoch den Schluss, „dass selbst bei einer langfristigen Beschaffungsstrategie die Preise mittlerweile in 2010 längst das Niveau von 2008 unterschritten haben“.